Sonnenfinsternis lockte Neugierige an - blieb auf dem Friedrichsplatz aber verborgen

Auf der Suche nach der Sonne: René Kosseda (links) und Bernd Holstein vom Astronomischen Arbeitskreis Kassel betreuten eines der beiden Teleskope. Fotos Koch

Kassel. „Auch wenn es kalt ist: Haben Sie noch ein bisschen Geduld. Es lohnt sich." Klaus-Peter Haupt, Mitglied des Astronomischen Arbeitskreises Kassel und Astronomie-Autor der HNA, macht den Menschen Mut, die Dienstagmorgen bei Eiseskälte ausharren.

Noch zehn Minuten, dann erreicht die Sonnenfinsternis ihren Höhepunkt. Mehr als 50 Männer, Frauen und Kinder sind zur Schönen Aussicht gekommen, um das Schauspiel zu erleben.

Doch der Himmel machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Eine dicke Wolkendecke versperrte die Sicht. Enttäuschung war zu spüren. "Ich habe nur zweieinhalb Stunden geschlafen und friere", klagte Yannic Meyer (20), der das Ereignis nicht verpassen wollte. Andere nahmen es gelassener. Hestia Senatore und Helga Göttsch, die mit den Kindern Marlen, Marco, Marina und Lucie gekommen waren, schwärmten von der Atmosphäre: Es sei wie bei einer Hochzeit, bei der alle auf den Auftritt der Braut warteten. Auch wenn der große Moment gestern auf sich warten ließ, bereuten sie nicht, gekommen zu sein.

Die Mitglieder des Astronomischen Arbeitskreises, der zusammen mit der HNA zu der Beobachtungsaktion eingeladen hatte, hatten im Schnee zwei große Teleskope aufgebaut. Klaus-Peter Haupt erklärte den Schaulustigen in einem kleinen Vortrag das Phänomen der Sonnenfinsternis. "Man merkt es schon ein bisschen", sagte er. Die Morgenröte sei nicht so stark. Schon vor 5000 Jahren hätten unsere Vorfahren regelmäßig beobachtet, wie die Sonne verschluckt wurde und Opfergaben gebracht, um sie wieder hervorzulocken. "Das hat immer geklappt."

Sonnenfinsternis hinter Wolken

Die kleine Milda (7) war aufgeregt. Sie hatte die Sonnenfinsternis auf ihren Wunschzettel für die Ferien gemalt. Weil das Phänomen in Kassel kaum zu sehen war, wollte ihre Mutter Sandra Rus später Fotos von dem Ereignis im Internet ansehen. Andreas Moter und Katrin Türk hatten ihre Tochter Maleen (11) mit dem Ausflug an die Schöne Aussicht überrascht. Sie hofften, doch noch einen Blick auf die zum Teil verdunkelte Sonne erhaschen zu können. Auch Hellmut Zimmermann harrte lange aus. Der Hobby-Astronom kannte sich mit Mondknoten, Neumond und Sonne bestens aus. Zuletzt habe er 2003 eine Sonnenfinsternis aus beobachtet, erzählte der 72-Jährige.

Während der Wartezeit konnten sich die Besucher gegen eine Spende mit heißen Getränken aufwärmen, die vor der documenta-Halle ausgeschenkt wurden. Die Spezialbrillen, die es zum Schutz vor Augenschäden gab, kamen kaum zum Einsatz. Die meisten nahmen sie als Erinnerungsstück mit nach Hause. Sancak Dülger blieb fast bis zum Schluss. Erst kurz vor 10 Uhr, als der Mond längst wieder auf dem Rückzug war, gab er auf.

"Das wird nichts mehr", sagte der 52-Jährige enttäuscht. Fast hätte er damit recht behalten: Doch als der Himmel in der Endphase der Sonnenfinsternis kurz aufklarte, waren fast alle Zuschauer schon gegangen. Bernd Holstein vom Astronomischen Arbeitskreis, der eines der beiden Teleskope betreute, sieht es so. "Man kann vom Wetter nicht enttäuscht sein." Auch Dr. Karsten Gaulke, Leiter des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in der Orangerie, nahm es gelassen. "Die Natur macht, was sie will. Das sind wir gewöhnt."

Von Ellen Schwaab und Christine Fritsch

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