Blei den Hahn abgedreht

Ab Sonntag gelten neue Grenzwerte für Trinkwasser

Unsichtbare Gefahr: Der Bleigehalt des Wassers. Foto: dpa

Kassel. Ab Sonntag gelten neue Grenzwerte für das Trinkwasser. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema - etwa wie gefährlich Blei im Wasser ist, in welchen Häusern noch alte Leitungen liegen und wie man diese erkennen kann.

Wie gefährlich ist Blei im Trinkwasser?

Eine akute Bleivergiftung ist wegen der geringen Mengen nicht zu befürchten. Doch Blei ist ein Nervengift, und eine dauerhaft erhöhte Bleibelastung führt zur Schädigung des zentralen Nervensystems. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere, die bleibelastetes Wasser trinken.

In welchen Häusern wurden noch Bleileitungen verbaut?

In Häusern, die vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurden, sei es in Kassel die verbreitetste Installationsform gewesen, sagt Gunther Gaedtke von der Städtische Werke Netz + Service GmbH. Bei späteren Modernisierungen, wie etwa die Installation einer Zentralheizung oder einer zentralen Trinkwassererwärmungsanlage, wurden diese Leitungen in der Regel getauscht. Häuser die nach 1973 gebaut wurden, durften keine Bleileitungen mehr haben.

Wie viele Häuser sind also betroffen? 

!Dazu gibt es keine Erhebungen. Die Städtischen Werke schätzen, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Häuser noch Bleileitungen haben. Häufig handelt es sich um Mischinstallationen, bei denen nur ein Teil der Rohre noch aus Blei ist.

Wie lassen sich Bleirohre erkennen?

Eine Liste aller Labore, die das Trinkwasser untersuchen können, finden Sie unter diesem Link.

Wenn die graublauen Leitungen überstrichen wurden, erkennt das auch ein Fachmann nur schwer. Weil Blei weich ist, lässt es sich leicht einritzen. Genau dies sollte man aber nicht tun. Denn normalerweise hat sich über die Jahre ein Schutzfilm in den Leitungen gebildet, der ein Übertreten des Bleis ins Trinkwasser erschwert. Wenn die Rohre bewegt oder anderweitig beeinträchtigt werden, könnte sich das Blei erst richtig lösen. Deshalb dürfen auch Klempner nicht an Bleileitungen arbeiten. Sie müssen bei Reparaturen die Rohre komplett tauschen.

Was mache ich, wenn ich als Mieter unsicher bin, ob mein Wasser belastet ist?

Gaedtke (Städtische Werke) empfiehlt, Mieter sollten ihren Vermieter auffordern, einen Nachweis zu erbringen, dass das Wasser der Trinkwasserverordnung entspricht. Seit zehn Jahren sei die Absenkung der Grenzwerte bekannt. Ist das Wasser zu stark belastet, begeht der Vermieter eine Ordnungswidrigkeit.

Wie lässt sich feststellen, ob die Grenzwerte eingehalten werden? 

Es gibt mehrere Trinkwasseruntersuchungsstellen in Stadt und Kreis Kassel. Die Labore können einen möglichen Bleigehalt feststellen. Wer selber mit einem sauberen Glas eine Probe zieht und es den Laboren bringt, kommt günstiger weg. Gaedtke spricht von 15 bis 20 Euro. Wenn ein Laborant vorbeikommt, werde es teurer. Zudem sind alle Labore derzeit überlastet.

Von Bastian Ludwig

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