Klinikum Kassel: Aufsichtsrat soll über Antrag auf Kündigung für Sontheimer debattieren

Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard M. Sontheimer

Kassel. In der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates am 30. September geht es wohl um den Chef. Alles deutet darauf hin, dass ein Antrag der Klinikum-Aufsichtsrätin Heidrun Blanckenburg auf die Tagesordnung genommen wird.

Fünf-Jahres-Vertrag

Zwar ist kaum zu erwarten, dass sich im Kontrollgremium eine Mehrheit für den Rauswurf des Vorstandschefs findet. Erst im September 2009 hatte Sontheimer vom Aufsichtsrat der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag und deutlich mehr Geld (315 000 Euro jährlich) erhalten. Aber der Aufsichtsrat will sich wohl mit der Kritik am Vorstandschef befassen, dem vorgeworfen wird, mehrere leitende Ärzte verprellt oder entlassen und damit dem Ruf des Klinikums erheblich geschadet zu haben.

In diesem Zusammenhang soll offenbar auch die Kündigung für die eigenständige Gemeinschaftspraxis für Strahlentherapie Thema im Aufsichtsrat werden. Sontheimer will die vier dort tätigen Fachärzte vor die Tür setzen und die im Jahr 2000 privatisierte Strahlentherapie zurück ins Klinikum holen.

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„Das Thema gehört in den Aufsichtsrat“, sagt SPD-Fraktionschef Uwe Frankenberger. Zwar sei das Klinikum durch die Leistung Sontheimers wirtschaftlich gut positioniert, aber auch der Umgang und die Kommunikation mit Mitarbeitern und leitenden Ärzten müssten verbessert werden. Zudem würde die SPD bedauern, wenn die vier Strahlenmediziner gehen müssten.

Letzteres will die CDU-Rathausfraktion auf keinen Fall mittragen. „Wir sagen Nein zu einer Kündigung der Strahlentherapie“, erklärt CDU-Fraktionschef Dr. Norbert Wett. Auch die Personalie Sontheimer müsse auf die Tagesordnung. „Da muss man jetzt was machen, das kann man nicht mehr aussitzen und abwarten“, sagt Wett. Er kritisiert auch die Verschiebung der am 7. September geplanten Aufsichtsratssitzung auf den 30. September.

Grünen-Fraktionschef Gernot Rönz sagt: „Ich habe großes Vertrauen, dass unsere Aufsichtsratsmitglieder dem Grünen-Grundsatz folgen und zunächst die Sache diskutieren.“ Ob daraus eine Personaldiskussion folge, müsse der Aufsichtsrat entscheiden. Die in der Öffentlichkeit bereits geführte Personaldebatte schade dem Klinikum.

Aufsichtsrat Matthias Dippel, Betriebsratschef im Klinikum, erklärte für die Ver.di-Vertreter im Aufsichtsrat, man werde sich keiner Diskussion und keinem Gespräch verschließen. Das Ergebnis der Debatte im Aufsichtsrat sei offen.

Der Oberbürgermeisterkandidat der Freien Wähler, Bernd                            W. Häfner, sieht durch die Personalentscheidungen des Vorstandsvorsitzenden den Ruf der Holding und der Stadt Kassel als Eigentümerin geschädigt. „Nimmt die Stadt Kassel diesen zeitweiligen Ärger in Kauf, um letztlich ganz andere Ziele zu erreichen?“, fragt Häfner, der einen eventuellen Verkauf befürchtet. Diese Fragen sollten schnellstens im Aufsichtsrat geklärt werden.

Aufsichtsrätin Heidrun Blanckenburg hat den zusätzlichen Antrag gestellt, die Kündigung des Kooperationsvertrages mit der Strahlentherapie zurückzunehmen und den Aufsichtsrat über das weitere Vorgehen entscheiden zu lassen. Foto: Fotos: Herzog, Koch, Fischer /nh

HINTERGRUND

Von Jörg Steinbach

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