Gesundheit Nordhessen Holding

Der Klinik-Chef Sontheimer stand in Aufsichtsratssitzung auf verlorenem Posten

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Keine Zukunft in Kassel: Dr. Gerhard M. Sontheimer scheiterte im Aufsichtsrat. Foto: Hoffmeister

Kassel. Alle Versuche von Dr. Gerhard M. Sontheimer, doch noch eine Mehrheit im Aufsichtsrat des Klinikkonzerns Gesundheit Nordhessen Holding für eine Vertragsverlängerung zu bekommen, sind gescheitert. Wie berichtet, fand er im Aufsichtsrat keine Mehrheit.

Zu groß waren die Vorbehalte gegen den Vorstandschef, der als knallharter Manager gilt. So führen seine Befürworter auch seine positive Wirtschaftsbilanz ins Feld - er führte den Konzern in die schwarzen Zahlen. Doch die Kritiker, die dem Manager Schwächen im menschlichen Umgang vorwerfen, ihn für sozial inkompetent halten, setzten sich im Aufsichtsrat durch.

Daran änderten auch zahlreiche Gespräche nichts, die Sontheimer noch im Vorfeld der entscheidenden Aufsichtsratssitzung führte. Er kämpfte um seinen Job, wohl wissend, dass er schlechte Chancen hat. Schließlich hatte er eine erste Abstimmung im Aufsichtsrat ebenfalls verloren.

Sontheimer wollte gerne weitermachen. Sein Vertrag wird nun nicht mehr verlängert, er läuft zum 31.3.2015 aus. Wäre der Manager für weitere fünf Jahre gewählt worden, hätte er wohl sein ehrgeizigstes Ziel verfolgt: Die Gesundheit Nordhessen Holding hätte nach seinen Vorstellungen eine Art Dachnunternehmen für alle kommunalen Kliniken in Hessen werden können.

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Eine Stunde dauerte nach HNA-Informationen die Diskussion in der Aufsichtsratssitzung. Sontheimer hatte vor der Aussprache eine kurze Stellungnahme abgegeben -- sie nutzte nichts mehr.

Sontheimer bekam noch nicht einmal die Hälfte der 20 Stimmen im Aufsichtsrat. Dr. Jürgen Barthel (SPD), Kassels Stadtkämmerer, stimmte unter anderem gegen ihn, und auch Landrat Uwe Schmidt (SPD) votierte gegen Sontheimer - nach unseren Informationen schriftlich, persönlich soll der Landrat nicht anwesend gewesen sein. Die Situation war damit klar: Der Aufsichtsratsvorsitzende, Kassels Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD), kam gar nicht in Versuchung, seine zweite Stimme für Dr. Gerhard M. Sontheimer ziehen zu müssen. Es hätte keinen Zweck gehabt. Das Ergebnis der Abstimmung sei Sontheimer nahe gegangen, hieß es. Im nächsten Jahr wird er Kassel verlassen. (tho)

Das sagt Gerhard Sontheimer

Er respektiere und akzeptiere die Entscheidung des Aufsichtsrates, sagte GNH-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard M. Sontheimer auf Nachfrage am Rande des Spatenstichs zum Neubau für die Aufbereitung von Operationsbestecken. Diese Entscheidung sei nicht überraschend gewesen, nachdem Aufsichtsratsmitglieder signalisiert hatten, dass sie ihr Votum nicht ändern würden.

Er sagte auch: „Ich bin traurig. Ich habe gerne gearbeitet in Kassel.“ Gerne hätte er noch fünf Jahre weitergemacht, um weitere Projekte anzustoßen und voranzutreiben. Patientensicherheit, Baumaßnahmen und Industriepartnerschaften nannte Sontheimer als Beispiele für Schritte, mit denen es gelungen sei, das Klinikum hervorragend aufzustellen. Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens sei die Summe vieler Planungen, Maßnahmen und Projekte. „Wir können stolz darauf sein“, sagte er. Sein Nachfolger werde mit Sicherheit kein Sanierungsprojekt übernehmen. Doch gelte es, diesen Weg weiterzugehen: „Stillstand ist Rückschritt.“

Selbstverständlich werde er sich nun umorientieren müssen, aber bis Ende März durchaus auch weiterhin seinen Vertrag erfüllen. (hei)

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