Polizei: Nach einem Rempler beim Ein- und Ausparken hauen viele Autofahrer einfach ab

Sorge um die Verkehrsmoral

Bernd Paul

Kassel. Die Fahrzeuge werden immer größer, die Parkplätze aber nicht unbedingt breiter. Anrempler beim Ein- und Ausparken nehmen folglich zu. Und auch die Zahl der Fahrer, die sich anschließend einfach aus dem Staub machen.

„Über 50 Prozent der Unfallfluchten passieren beim Ein- und Ausparken“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar Achim Scholz (Direktion Verkehrssicherheit). Das sei wohl auch eine Erklärung, allerdings keine Entschuldigung, warum die Unfallfluchten im vergangenen Jahr in der Stadt Kassel weiter zugenommen haben. 1746 Unfallfluchten wurden in der Stadt angezeigt das waren 76 mehr als 2012. Immerhin wurden 43 Prozent der Unfallfluchten aufgeklärt, die Täter im Nachhinein gestellt.

Im Landkreis scheint es weniger häufig auf engen Parkplätzen zu krachen. Hier wurden im vergangenen Jahr 952 Unfallfluchten angezeigt, 14 weniger als 2012. Die Aufklärungsquote lag bei 38 Prozent.

Aber nicht nur wegen der steigenden Unfallfluchten im Stadtgebiet macht sich Bernd Paul, Vizepräsident im Polizeipräsidium Nordhessen, Sorgen um die Verkehrsmoral. Viele Verkehrsteilnehmer machten sich offenbar gar keine Gedanken mehr darüber, dass es verboten ist, mit dem Handy am Ohr im Fahrzeug zu telefonieren. Für die Polizei sei die Überführung der Telefonsünder sehr schwierig, da die Beweisanforderungen vor Gericht sehr hoch seien, sagt Paul. Da würde es nicht ausreichen, wenn ein Beamter sagt, dass er einen Verkehrsteilnehmer beim Telefonieren erwischt habe. Stattdessen seien Farbe des Telefons, die genaue Uhrzeit, am besten die kompletten Verbindungsdaten vor Gericht erforderlich. Paul hofft, dass einige Autofahrer das Telefonieren hinterm Steuer ab 1. Mai ohnehin lassen. Wer dann erwischt wird, muss 60 Euro zahlen.

Während in Nordhessen die Gesamtzahl der Unfälle rückläufig war, gab es in der Stadt Kassel eine geringe Zunahme. Im vergangenen Jahr seien 5067 Unfälle aufgenommen worden (2012: 5003). Dabei wurden sechs Menschen getötet (2012: 5), 128 (151) wurden schwer und 649 (684) leicht verletzt.

Im Landkreis war die Zahl der Unfälle mit 3582 (2012: 3611) hingegen rückläufig. Hier wurden sieben Menschen (2012: 14) im Straßenverkehr getötet, 128 (161) schwer und 392 (383) leicht verletzt.

Polizeihauptkommissar Sascha Gröling, Leiter für Verkehrssicherheit, sieht es als positiv an, dass die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss rückläufig ist. 128 betrunkene Verkehrsteilnehmer bauten 2013 in der Stadt einen Unfall, ein Jahr zuvor waren es noch 146. Im Landkreis wurden 106 (113) Unfälle unter Alkoholeinfluss aufgenommen. Allerdings würden immer mehr Verkehrsteilnehmer erwischt, die unter Drogeneinfluss ihr Auto steuerten, sagt Gröling. Durch gezielte Schulungen würden die Beamten mittlerweile schneller erkennen, ob jemand Drogen konsumiert habe.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.