Sorge um Wasserstraßen: Wird Fulda als Verkehrsweg herabgestuft?

Europa am Anleger Weserstein, dem Zusammenfluss von Fulda, Werra und Weser.

Kassel. Die Nachrichten aus Berlin lassen auch an Fulda, Werra und Weser die Wellen hochschlagen. Denn derzeit wird ein Modernisierungskonzept des Bundesverkehrsministeriums für alle Bundeswasserstraßen diskutiert. Soweit bekannt, sollen Fulda, Werra und Weser danach abgestuft werden.

Sie sollen nur noch dem Wassertourismus und nicht mehr der Frachtschifffahrt dienen. Wegen des Sparkonzeptes fürchteten auch die 190 Beschäftigten des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Hann. Münden um ihre Jobs. Und ob die Kasseler Stadtschleuse eine Zukunft hat, ist weiterhin ungewiss.

Am Freitag gab es ein Stück weit Entwarnung: Der WSA-Standort bleibe erhalten, der Güterfachtverkehr auf der Weser sei weiter möglich und an der Personenschifffahrt werde nicht gerüttelt. Mit dieser Nachricht kamen Hann. Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne und CDU-Landratskandidatin Dinah Stollwerck-Bauer aus dem Bundesverkehrsministerium zurück. Allerdings werde es Veränderungen durch die Strukturreform geben. Welche genau, war gestern noch nicht zu erfahren.

So rechnen Fachleute damit, dass beim Mündener Amt Stellen gestrichen und Mitarbeiter versetzt werden könnten. Ob das Personal und die Mittel des WSA in Hann. Münden auch künftig ausreichen werden, um die Fahrrinnen freizuhalten und Schleusen, Wehre und andere Bauten instand zu halten, wird sich zeigen. Davon aber hängen nicht nur der Güterfrachtverkehr ab Hann. Münden, sondern auch die Fahrgast- und die Sport-Schifffahrt ab.

Ohne die Kasseler Stadtschleuse zum Beispiel könnten die Fahrgastschiffe und Sportboote den Höhenunterschied im Fuldabett von rund 2,80 Meter nicht mehr überwinden. Und in die aus dem Jahr 1913 stammende Schleuse müsste dringend investiert werden. Kürzlich wurden die Schleusentore repariert, um den Betrieb wenigstens vorläufig zu ermöglichen. In der gesamten Region fürchtet man, dass das Sparkonzept für die Bundeswasserstraßen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben könnte. „Wir sind alarmiert“, sagt Joachim Kraus, Prokurist der Maschinenbaufirma Richter aus Hess. Lichtenau.

Denn der Schiffsweg sei die einzige Chance, die zig Tonnen schweren Erzeugnisse zu den Kunden zu bringen. Wenn dieser Transportweg wegfallen würde, wären allein in dem Lichtenauer Unternehmen 200 Arbeitsplatze hochgradig gefährdet, sagt Kraus. Da sich die Straßensituation in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert hat, seien derzeit mindestens sieben weitere Unternehmen aus der Region und sogar aus Thüringen am Ausbau der Weserumschlagstelle und dem Transportweg Wasser interessiert, weiß auch der stellvertretende Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kassel, Kai Lorenz Wittrock. Und er ist sicher, dass eine ausgebaute Umschlagstelle noch weit mehr Interessenten finden werde. (hei/tns)

Hintergrund: Wasser- und Schifffahrtsamt

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden (WSA) ist für ein großes Gebiet zuständig: für die Werra ab Falken (Thüringen), die Fulda ab Bebra, die Weser bis Rinteln sowie für die Eder- und die Diemeltalsperre. Insgesamt sind dies rund 380 Flusskilometer. Die 190 Mitarbeiter halten die Schleusen, Wehre und andere für die Schifffahrt notwendige Anlagen wie die Buhnen in der Weser in Schuss.

Außerdem sorgen sie dafür, dass die Fahrgastschiffe und Güterschiffe - und damit auch die Sportboote - genügend Wassertiefe haben. Eine weitere wichtige Aufgabe des WSA ist es, über die Edertalsperre den Pegelstand der Weser zu regulieren, so dass in Hann. Münden mindestens ein Pegelstand von 1,20 Meter (mindestens 1,03 Meter Wassertiefe) gewährleistet ist.

Die Regulierung der Edertalsperre spielt zudem beim Hochwasserschutz eine große Rolle. (hei)

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