Sorge wegen Sparplänen bei Daimler

Betriebsrat befürchtet Stellenabbau auch im Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerk

 Das Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerk
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Ärger um Sparplan: Die Betriebsräte der Lastenwagensparte von Daimler befürchten einen massiven Stellenabbau. Betroffen wäre auch das Kasseler Mercedes-Benz-Achsenwerk. (Archivbild)

Beim Stuttgarter Autobauer Daimler spitzt sich die Auseinandersetzung um die Umbau- und Sparpläne des Konzerns zwischen Betriebsrat und Konzernspitze zu. Die Betriebsräte der Lastwagensparte befürchten einen massiven Stellenabbau. Davon wäre auch das Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerk mit seinen rund 2900 Beschäftigten betroffen.

Kassel – Das Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerk ist das globale Kompetenzzentrum für Nutzfahrzeugachsen der Daimler AG. „Es gibt große Sorgen und Ängste in der Belegschaft“, sagt dessen Betriebsratsvorsitzender Jörg Lorz. Betriebsrat und IG Metall haben deshalb im Rahmen einer bundesweiten Solidaritätsaktion eine Postkarten-Initiative gestartet. Die Protestkarten aller Standorte in Deutschland sollen dem Vorstand Anfang Dezember übergeben werden.

Daimler fährt schon länger einen strikten Sparkurs, den der Konzern infolge der Coronakrise noch verschärft hat. Schon vor der Pandemie war der Autobauer in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Hinzu kommt der Transformationsprozess hin zur Elektromobilität, der viele Arbeitsplätze in der Branche gefährdet. Zuletzt hatte Daimler im Juli mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbart, die Arbeitszeit von Zehntausenden Verwaltungskräften zu kürzen und sämtlichen Beschäftigten in Verwaltung und Produktion die Prämie für das Jahr 2020 zu streichen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden damals ausgeschlossen.

In einem aktuellen Schreiben der Betriebsräte der Truck Standorte, das der HNA vorliegt, heißt es nun, dass das Unternehmen einen drastischen Personalabbau an diesen Standorten plane. Das sei in einem Gespräch mit dem Management deutlich geworden. „Kahlschlag droht, wenn wir uns nicht wehren“, warnen die Arbeitnehmer-Vertreter.

Ein Beschäftigungsszenario sehe gar die Halbierung der heutigen Belegschaft vor. Das sei zwar eine unrealistische Variante, weil sie keine Investitionen in neue Produkte und bestehende Fertigungsumfänge vorsehe. „Aber es macht deutlich, dass dringendes Handeln notwendig ist.“ Auch Lorz gehört zu den Unterzeichnern des Papiers. Er fordert den Vorstand auf, einzulenken und „ein tragfähiges und belastbares Zukunftsbild“ zu entwickeln. „Es muss in die E-Mobilität, aber auch in die bestehende Antriebstechnologie investiert werden.“

Die Kampagne „Solidarität gewinnt“, die in dieser Woche gestartet ist, sei nur der Auftakt. „Wir werden an allen Standorten nachlegen“, so Lorz. Unterstützung erfahre er bei der Solidaritätsaktion von der lokalen Politik.

Scharfe Kritik an der Konzernspitze hat auch der Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht geübt. „Der Vorstand schießt übers Ziel hinaus. Die Belegschaft ist doch nicht der Feind“, wird er im Handelsblatt vom Montag zitiert. Er wirft der Daimler-Führung schlechten Stil vor. Das Management agiere „absolut beratungsresistent“. Brecht fordert, stärker in die eigene Fertigung für Batteriezellen und andere Komponenten für Elektrofahrzeuge zu investieren.

Als Beispiel nennt der Betriebsratschef die Produktion von Achsen für die elektrische G-Klasse, die Daimler in Kassel produzieren könne. „Dort haben wir alle Kompetenzen und Anlagen. Aber dafür müssten wir zuvor Entwickler bereitstellen. Auf diese Idee kommt der Vorstand aber nicht. Warum?“

Der Auto-Konzern selbst äußert sich nur knapp zu dem Thema. „In den kommenden Monaten werden wir gemeinsam mit dem Betriebsrat die Zukunftsbilder unserer Standorte verhandeln. Die Zielbildgespräche an unseren Standorten starten demnächst, auch im Mercedes-Benz Werk Kassel“, teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mit. Er bitte jedoch um Verständnis, dass man sich grundsätzlich nicht zu den Inhalten von noch anstehenden und laufenden internen Gesprächen äußere. (Nicole Schippers)

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