1. Startseite
  2. Kassel

Sorgen bei Galeria alarmieren Kasseler Einzelhändler

Erstellt:

Von: Axel Schwarz

Kommentare

Einkaufsmagnet in erneuten Turbulenzen: Mit neuem Konzept war das Kasseler Galeria-Haus vor fast genau einem Jahr an den Start gegangen. Jetzt dämpfen schlechte Nachrichten aus dem Konzern die Aufbruchsstimmung.
Einkaufsmagnet in erneuten Turbulenzen: Mit neuem Konzept war das Kasseler Galeria-Haus vor fast genau einem Jahr an den Start gegangen. Jetzt dämpfen schlechte Nachrichten aus dem Konzern die Aufbruchsstimmung. © Axel Schwarz

Die Energiekrise und die allgemeine Kaufzurückhaltung hinterlassen Spuren in Kassels Einkaufswelt. Wachsender Leerstand und neue Probleme beim Platzhirsch Galeria drücken die Stimmung bei den Händlern.

Kassel – Die Aufbruchsstimmung in einem der wichtigsten Einkaufsmagneten Kassels hat einen herben Dämpfer bekommen: Fast genau ein Jahr, nachdem das Kaufhaus Galeria nach aufwendigem Umbau mit neuem lokalen Dienstleistungskonzept an den Start gegangen ist, ruft der Warenhauskonzern nun schon zum dritten Mal nach staatlichen Hilfen.

Der Handelskonzern befinde sich „erneut in bedrohlicher Lage“, hat Galeria-Chef Miguel Müllenbach aktuell an die Belegschaft geschrieben. Im Kasseler Warenhaus mag das derzeit niemand kommentieren, bei anderen Akteuren des innerstädtischen Handels löst das Bedrückung aus. Denn unter den ursächlichen Problemen – Inflation, explodierende Energiepreise und Kaufzurückhaltung bei der Kundschaft – leiden alle gleichermaßen.

„Wenn jetzt schon so Große wie Galeria in Schwierigkeiten geraten, kann man sich schon Sorgen machen“, kommt etwa Manfred Hesse vor seinem Outdoorgeschäft Kletterkogel an der Wilhelmsstraße gleich aufs Thema, ohne dass es eines Stichwortes bedarf. Die Wilhelmsstraße ist ein gutes Anschauungsobjekt für das, was zurzeit in Kassels Geschäftslandschaft passiert.

Noch vor Jahren als „feine Meile“ mit etlichen gehobenen, inhabergeführten Fachgeschäften beworben, stehen von oben nach unten aktuell vier Ladenlokale leer. In ein fünftes Geschäft, das vormals Schuhe verkaufte, ist gerade ein Tätowier- und Piercing-Studio eingezogen, hinter dem eine große türkische Franchise-Kette mit 90 Standorten in 16 Ländern steckt.

Das vor Kurzem eröffnete Café „Immer so“ gegenüber ist der Ausnahmefall einer Folgenutzung, die einen neuen Anziehungspunkt geschaffen hat. Was ansonsten in jüngerer Zeit auf der Wilhelmsstraße hinzugekommen ist, sei „meist nicht von langer Dauer“, sagt Buchhändler Lothar Röse, der für die organisierten Einzelhändler im Quartier spricht. Da fehle mancher Neueröffnung oft auch die Anziehungskraft. Die Probleme hätten sich schon eine ganze Weile vor der aktuellen Krise eingestellt, meint Geschäftsbetreiber Manfred Hesse: „Die Passantenfrequenz ist schon länger rückläufig und das geht mit der Zahl leerer Geschäfte einher.“

Leere Fenster an der Wilhelmsstraße: Die hier abgebildeten früheren Räume von Etuis-Mertl waren nur vorübergehend von einem Heimtierfutter-Händler genutzt worden.
Leere Fenster an der Wilhelmsstraße: Die hier abgebildeten früheren Räume von Etuis-Mertl waren nur vorübergehend von einem Heimtierfutter-Händler genutzt worden. © Schwarz, Axel

Dass Läden teils immer längere Zeit ungenutzt bleiben, kann man auch auf der Oberen Königsstraße verfolgen. Das betrifft etwa die ehemalige Pimkie-Filiale oder neben JD Sports in einem Neubau das zweite Ladenlokal, in das immer noch keine Mieter eingezogen sind. Auch der von der Modekette Orsay aufgegebene Laden vis-à-vis von Galeria steht schon länger leer. Allerdings kann man von außen verfolgen, dass dort aktuell an der Innenbeleuchtung gearbeitet wird, vielleicht für einen künftigen Mieter.

Im Interesse einer attraktiveren Innenstadt plädiert Vorsitzender Alexander Wild von den City-Kaufleuten dafür, dass „Vermieter und Investoren ihre Modelle überdenken“ sollten: Es müssten Anreize geschaffen werden, dass die Innenstadt auch für kleinere Einzelhändler als Standort infrage kommt. Dabei sei auch die Politik gefragt. Wild: „Ich glaube, dass wir uns verändern müssen.“

Aktuell spüre der Einzelhandel jedenfalls „eine extreme Kaufzurückhaltung“. Zudem würde Kundschaft aus dem Umland fernbleiben, wie Stichproben in den großen Parkhäusern zeigten. Auch sei der durchschnittliche Kassenbon-Wert pro Kunde gesunken. „Da kann man aber niemandem einen Vorwurf machen, die Leute haben momentan ganz andere Sorgen“, sagt Wild zu den Auswirkungen des Krieges auf die Lebenshaltungskosten. Er rechne „persönlich auch mit einem zurückhaltenden Weihnachtsgeschäft“.

Was die Situation von Galeria angeht, macht sich Wild mit Blick auf den Standort Kassel „gegenwärtig wenig Sorgen“. In einer Liga mit dem City-Point sei das Kaufhaus der wichtigste Einkaufsmagnet der Stadt und das werde auch so bleiben.

Auch interessant

Kommentare