Sortierzwang in Kassel: Ein Sack und vier Mülltonnen

Kassel. Spätestens 2015 wird es in Kassels Hauseinfahrten eng. Grund dafür ist der Nachwuchs im Mülltonnen-Fuhrpark. Denn nach der für 2013 geplanten Biotonnen-Pflicht für all jene, die nicht selbst kompostieren, folgt zwei Jahre später die Wertstofftonne.

Damit haben dann die meisten Hausbesitzer mindestens drei Tonnen vor der Tür: Rest-, Bio- und Wertstoffmüll. Bei vielen kommt die Papiertonne hinzu und den Gelben Sack gibt es wohl auch noch länger.

Hintergrund für die Tonnen-Vielfalt ist einerseits die Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, in der eine striktere Trennung der Abfälle gefordert wird. Zudem ist ein Wertstoffgesetz in Arbeit, das deren Sammlung neu regelt. Bei der Umsetzung der Gesetze hätten die Kommunen Spielraum, sagt Günther Belz, Vorsitzender der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund in Hessen. Es gebe eine Regelungswut der Kommunen, die an der Realität vorbei gehe. „In Städten hat kaum jemand Platz für so viele Tonnen“, sagt Belz. Zudem führe ein derart differenziertes System dazu, dass viele Menschen ihren Müll in die falsche Tonne sortieren.

Mittlerweile gebe es so gute Sortieranlagen, dass sich der Müll auch im Nachhinein trennen lasse. Der für die Stadtreiniger zuständige Dezernent und Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) sieht das Platzproblem durchaus. Doch es gebe Gesetze und die Trennsysteme seien nicht weit genug entwickelt. Im Landkreis Kassel gibt es allerdings keine Pläne für eine Wertstofftonne, die für Kunststoffe, Metalle und Verbundstoffe (Milchtüten) gedacht ist.

Die Wertstoffe sollen im Kreis nach der Abholung aus dem Restmüll aussortiert werden. Der Gelbe Sack bleibt wohl erhalten. Zwar wollen die Stadtreiniger mit dem Dualen System über eine Integration in die Wertstofftonne verhandeln, aber im Hintergrund tobt ein Kampf zwischen kommunalen und privaten Entsorgern über den lukrativen Wertstoff-Markt.

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © dpa

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