Retrospektive der Band Aqua wird weltweit veröffentlicht

Später Ruhm für Kasseler Rockmusiker

31 Jahre danach haben wir das Autogrammkartenfoto nachgestellt: Martin Ulrich (stehend), davor Wolfgang Eckhardt, Michael Fajgel und Jörg Wiesner (von links). Roy Kaleve war leider erkrankt. Foto: Fischer

Kassel. Riesenfreude bei den ehemaligen Musikern der Kasseler Band Aqua: Das auf deutsche Rockmusik der 60er- und 70er-Jahre spezialisierte und in Sammlerkreisen hoch geschätzte Label Garden of Delights hat eine CD mit Stücken der Rockgruppe aus den Jahren 1972 bis 1981 veröffentlicht.

Damit dürfte Aqua die bis dato einzige Kasseler Band sein, deren CD weltweit erhältlich ist. Nicht nur im Internet, sondern im Fachhandel.

Aqua existierte von 1972 bis 1984. Gegründet wurde die Band von Martin Ulrich (Gitarre) und Martin Großkurth (Tasteninstrumente). Ulrich hatte zuvor in einer Band names Inaction gespielt, unter anderem mit Wolfgang Heichel, der später zu Dschingis Khan ging, Großkurth spielte bei Präludium Magnum. Beide Musiker brachten die ihrer Ansicht nach fähigsten Musiker aus den Vorgängerbands mit und Aqua war geboren.

Typischer Werdegang

Die erfolgreichste Besetzung: Aqua 1979 mit (im Uhrzeigersinn) Martin Ulrich (hinten), Roy Kaleve, Jörg Wiesner, Mike Fajgel und Wolfgang Eckhardt auf einer Aurogrammkarte. Foto: nh

Man spielte progressiven Rock, der in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren allmählich zum Hardrock absank. Alles in allem spiegelte der musikalische Werdegang der Band das wider, was typisch für die jeweilige Zeit war. Dies war auch der Grund, weshalb 26 Jahre nach der Trennung die Verantwortlichen der Plattenfirma Garden of Delights beim Stöbern in ihren Archiven auf das Werk von Aqua aufmerksam wurden. Mit der Wiederveröffentlichung alter Einspielungen von unter anderem Amon Düül II, Embryo und Guru Guru hat das Label bereits große Erfolge erzielt. Nun repräsentieren auch Aqua weltweit eine bestimmte Ära der deutschen Rockmusik.

Von ihrer Musik konnten die Musiker nie leben. Es gab zwar Tourneen mit Größen wie Lake, Status Quo und Shocking Blue und Auftritte in Nürnberg, Flensburg und Hamburg, zu denen in der Regel 50 bis 60 Fans der Band hinterherreisten. Doch die Musiker arbeiteten weiter als Zahntechniker, Metallprüfer, Schauspieler, Lithograf.

Die größten Erfolge feierte Aqua Ende der 70er-Jahre mit Martin Ulrich (Gitarre) Michael Fajgel (Gesang), Jörg Wiesner (Tasteninstrumente), Wolfgang Eckhardt (Bass) und Roy Kaleve (Schlagzeug). Eine Weile gehörte auch Matthias Reim („Verdammt, ich lieb´ dich“) dazu. Man trennte sich, weil er, so Ulrich „mit seinem Stil irgendwie nicht zu uns passte“.

Die Ankündigung, dass eine CD mit Aufnahmen aus der Bandgeschichte weltweit veröffentlicht wird, löste bei den ehemaligen Mitgliedern Freude aus. „Aber auch diesmal werden wir nicht reich werden“, sagt Jörg Wiesner. Dafür sei die Musik zu speziell.

Immerhin: Alle sind sie, trotz Beruf, bis heute der Musik treu geblieben. Mike Fajgel leitet das Musical-Theater tic, Jörg Wiesner und Martin Ulrich nennen sich „Die Kasseler Schlaggen“, haben eine Single mit einem Loblied auf die „Ahle Worscht“ und den Song „Huskies geben niemals auf“ veröffentlicht. Wolfgang Eckhardt baut Gitarren.

Ist ihnen jemals der Gedanke gekommen, einen anderen Weg einzuschlagen? „Nein“, sagt Ulrich. „Wir hatten immer unsere Eltern und unsere Ehefrauen, die hinter unserer Musik gestanden haben.“

Von Wilhelm Ditzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.