Studentinnen zeigten fremden Mann nicht an - Polizei: Wir können nur nach Alarmierung handeln

Spanner hockte auf Uni-Toilette

Zwei Toiletten, ein Loch, ein Spanner: In der rechten Kabine soll sich der Mann vor zwei Frauen auf der Uni-Toilette eingeschlossen haben. Durch das Loch (rechts) gaffte er offenbar in die Nachbarkabine. Fotos:  Herzog

Kassel. Es ist bereits zwei Wochen her. Studentinnen der Universität Kassel wunderten sich, warum eine der beiden Toilettenkabinen für Frauen im Gebäude mit den Hörsälen 4, 5 und 6 am Campus Holländischer Platz ständig verschlossen war.

„Die Kabine war über eine Stunde zu, und es brannte dort kein Licht. Erst dachten wir, die Toilette ist defekt“, sagt eine 24-Jährige. Doch dann hörte eine Kommilitonin ein Geräusch. Sie schaute unter die Tür der Kabine und sah zwei Männerfüße.

Die jungen Frauen unterhielten sich daraufhin kurz und lautstark über den Mann in der Kabine und täuschten dann vor, den Toilettenbereich verlassen zu haben. Stattdessen legten sie sich auf die Lauer. Nach einigen Minuten fühlte sich der Spanner wohl sicher: „Ein schmieriger Typ um die 50 hat die Frauentoilette verlassen“, sagt die Studentin.

Statt die Polizei oder die Verantwortlichen in der Universität über den ungebetenen Toilettengast zu verständigen, unterhielten sich die jungen Frauen nur über den Spanner. Und sie stellten fest, dass in die Zwischenwand der Kabinen ein Loch gebohrt worden war, in das jemand Papier gestopft hatte. Ein Guckloch, das freien Blick in die benachbarte Kabine gewährt, sobald das Papier entfernt ist.

Weder die Kasseler Polizei noch die Universität wurden offenbar über den Vorfall informiert. „Bei uns ist keine Anzeige erstattet worden“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Polizei und Universität träfen sich in regelmäßigen Abständen, um sich über Sicherheit auf dem Campus auszutauschen. Über dieses Problem werde wohl nun bei der Sitzung im März gesprochen, sagt Werner.

„Bei uns ist der Spanner nicht gemeldet worden“, sagt auch Annette Ulbricht, Sprecherin der Universität. Sie könne nur an alle Studierenden appellieren, in solch einem Fall sofort die Polizei zu verständigen. Zudem gebe es Notrufsäulen auf dem Campus und eine Notrufnummer, die den Studierenden zur Verfügung gestellt werde. „Nur wenn wir informiert werden, dann können wir etwas unternehmen“, sagt Ulbricht. Auch mit Erfolg. Bereits vor einigen Jahren sei ein Spanner auf dem Campus gefasst worden. „Leider gibt es immer wieder Leute, die sich hier rumtreiben. Auch die Universität ist keine heile Welt ohne Konflikte.“ (use)

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