„Ich hoffe, Klose stürmt nicht“

Brasilianischer Student drückt in Kassel seinem Team die Daumen 

+
Hofft heute auf einen Sieg seines Heimatlandes: Felipe Negrini de Araújo studiert seit 2010 in Kassel Maschinenbau. Fotos: Holscher

Kassel. Deutschland gegen Brasilien heißt das Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft. Während in Kassel die meisten Menschen zu Jogi Löws Jungs halten, feuern andere die Mannschaft vom Zuckerhut an. Zu ihnen gehört auch der brasilianische Student Felipe Negrini de Araújo.

Das Billard Café „Flip Out“ an der Holländischen Straße hat sich in den vergangenen WM-Wochen zu einer Anlaufstelle für Brasilienfans entwickelt. Der 32-jährige Felipe Negrini de Araújo, der seit 2010 in Kassel Maschinenbau studiert, wird dort heute auch wieder mit seinen Landsleuten das WM-Spiel zwischen Deutschland und Brasilien schauen. „Ehrlich gesagt, ist mir jetzt schon schlecht“, sagt der glühende Brasilienfan. „Deutschland ist für mich der Favorit.“

Die Vorbereitung auf ein Spiel folgt bei Felipe gewissen Regeln: Rückt die Partie näher, zieht der 32-Jährige zur Vorbereitung bereits Tage vorher sein Trikot an. Bisher habe sich daran niemand gestört. In den vergangenen Tagen habe er aber vermehrt gehört, dass deutsche Fans ihn auf das Trikot ansprachen. „Sie haben mich gefragt: ,Wie wollt ihr ohne Neymar gewinnen?’“, sagt Felipe. Die Frage stellt er sich auch. „Mit Neymar und Thiago Silva wären wir auf Augenhöhe.“

Während des Spiels gibt es dann ein weiteres Ritual. Es darf keine Sekunde vom Fernseher weggeguckt werden. „Ich muss das ganze Spiel hinschauen, wie ein Trainer, sonst passiert etwas Schlimmes.“

Der Maschinenbaustudent stammt gebürtig aus Caxias do Sul, einer Großstadt im Süden Brasiliens. Die Stadt wurde insbesondere von Italienern geprägt. Auch die Eltern von Felipe haben italienische Wurzeln. „Aber im Fußball ist Italien an dritter Stelle, hinter Brasilien und Deutschland.“

Der Fußballfan trainierte in seiner Jugend selbst für einige Zeit an einer Fußballschule. Seine Position: Linker Verteidiger. „Alle wollen in Brasilien Fußballer werden.“ Erst komme Fußball, dann die Schule. Irgendwann sah er ein, dass es nicht reichen würde für eine Karriere.

Besonderen Respekt haben die Brasilianer laut Felipe vor einem deutschen Stürmer. „Ich hoffe, Klose stürmt nicht. Er darf nicht treffen - sonst übertrifft er den Rekord von Ronaldo.“ Das sei ein großes Thema derzeit in seiner Heimat. Und Bastian Schweinsteiger geistere viel durch die brasilianische Presselandschaft. Er sei der typische deutsche Spieler, sagt Felipe - vom Aussehen und der Spielweise. „Die Deutschen machen kaum Fehler, sind körperlich stark.“

Mit Blick auf das heutige Spiel erwartet der Fußballfan, dass Deutschland das Spiel bestimmen wird und auf dem Platz zaubert. „Wir werden eher defensiv auftreten und versuchen, zu kontern“, vermutet Felipe. Wenn Deutschland das erste Tor erziele, könne es sein, dass die Brasilianer mit dem Druck nicht klarkämen und zu emotional würden.

Trotzdem tippt er auf einen Zwei-zu-null-Sieg der Seleção. Falls die Brasilianer verlieren, brauche er zwei Tage, um sich von dem Schock zu erholen. Dann werde er Deutschland unterstützen. „Eine Weltmeisterschaft werde ich also auf jeden Fall feiern.“

Von Max Holscher

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.