HR-Sprecher: Bis 2016 über 60 Mio. Euro einsparen

Spardiktat: Nach 20 Jahren Aus fürs Studio Kassel

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Gehen zurück nach Frankfurt: Die „Strassenstars“ werden ab 2014 wieder in Frankfurt aufgezeichnet. Auf dem Foto aus dem Studio Kassel sind (von links) Jörg Thadeusz, Susanne Fröhlich und Henni Nachtsheim zu sehen.

Kassel. Als das für 45 Mio. Mark (23 Mio. Euro) umgebaute und erweiterte Fernsehstudio des Hessischen Rundfunks (HR) am 16. September 1994 eröffnet wurde, galt es als eines der modernsten in Europa. Das war einmal.

20 Jahre später ist Schluss mit der Fernsehproduktion aus Kassel an der Wilhelmshöher Allee. Insider sprechen von einer Schwächung des nordhessischen HR-Standorts.

HR-Sprecher Tobias Häuser bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der HNA, dass das Kasseler Fernsehstudio ab 2014 nicht mehr zur Aufzeichnung von Sendungen benötigt werde. Die beiden Unterhaltungssendungen „Dings vom Dach“ und „Strassenstars“ würden dann aus Kostengründen wieder in Frankfurt aufgezeichnet. Die Redaktionen seien schon immer dort angesiedelt gewesen.

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Der Sender müsse bis zum Jahr 2016 über 60 Mio. Euro sparen, begründet Häuser diesen Schritt, davon seien alle Bereiche betroffen: Die Hörfunkstudios seien bereits im vergangenen Jahr verkleinert worden, sagt der Sprecher. Zudem gebe es Überlegungen, das Boulevardmagazin „Maintower“ künftig nicht mehr in einem Wolkenkratzer, sondern in einem normalen Studio des öffentlich-rechtlichen Senders in Frankfurt zu produzieren.

Das Kasseler Fernsehproduktionsstudio werde ab 2014 nur noch als „Reserve“ benötigt, sagt Häuser. Es stehe bislang noch nicht fest, was mit den Räumlichkeiten geschehe, vielleicht würden sie vermietet. Kein Mitarbeiter in Kassel verliere durch den Wegfall des Produktionsstudios seinen Arbeitsplatz. Fünf Stellen würden allerdings nicht mehr besetzt, wenn Mitarbeiter in Altersteilzeit beziehungsweise Rente gingen.

Ansonsten ändere sich für Kassel nichts, sagt Häuser. Es gebe keine Pläne, das Studio Kassel zu schließen. Alle aktuellen Fernsehproduktionen für die Hessenschau und Tagesschau wie auch die Sendungen „Herkules“ und „Bilderbogen“ würden weiterhin in Kassel produziert. Ebenso bleibe die Wissenschaftsredaktion in Kassel und produziere die Sendungen „Alles wissen“, „W wie Wissen“ sowie „Xenius“ für Arte. Auch der Radiosender hr4 werde sein Programm weiterhin von Kassel aus produzieren und senden.

Die Belegschaft ist da skeptischer. Einige Redakteure sehen die Schließung des Sendestudios als nur einen ersten Schritt für weitere Kürzungen. „Das kastriert uns. Es hat zu unserem Selbstverständnis gehört, eigene Sendungen zu produzieren und live im HR und der ARD auszustrahlen“, sagt ein Mitarbeiter.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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