Sparkasse: Mehr Geld für Kontrolleure

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Kreis und Stadt bestimmen mit: Die Zentrale der Kasseler Sparkasse an der Wolfsschlucht. Die Kontrolle über das Geldhaus wird von einem 15-köpfigen Verwaltungsrat ausgeübt.

Kassel. Die Verwaltungsratsmitglieder hessischer Sparkassen haben in den vergangenen Jahren ständig mehr Geld für ihre Kontrolltätigkeit erhalten. Bei der Kasseler Sparkasse etwa haben sich die Gesamtbezüge der 15 Kontrolleure zwischen 2006 und 2010 mehr als verdreifacht - von 26.000 auf 80.000 Euro.

Das hat einen Grund, wie Pressesprecher Dr. Michael Auge vom Hessischen Sparkassen- und Giroverband auf Anfrage erläuterte. Der Verband habe 2007 seine Empfehlungen geändert, wie die Institute solche Aufsichts-Jobs vergüten sollen. Zuvor hätten nur die Vorsitzenden neben dem Sitzungsgeld eine pauschale Aufwandsentschädigung bekommen. Die werde jetzt für alle Mitglieder des Gremiums empfohlen.

Die Vorgaben des Verbandes seien nach Größe der Institute gestaffelt und würden bei allen Sparkassen eingehalten, sagt Auge. Im regionalen Vergleich fällt auf, dass die neuen Möglichkeiten bei Hessens drittgrößter Sparkasse mit Sitz in Kassel ziemlich moderat ausgenutzt werden. Hier sind die Gesamtbezüge des Verwaltungsrats im Zeitraum von 2006 bis 2010 um 207 Prozent gestiegen. Im Werra-Meißner-Kreis sind es 333, in Hersfeld-Rotenburg 400 und im Schwalm-Eder-Kreis 441 Prozent Steigerung.

Dem Vernehmen nach erhält ein einfaches Verwaltungsratsmitglied der Kasseler Sparkasse um die 2500 Euro Entschädigung pro Jahr zuzüglich je etwa 135 Euro für ein halbes Dutzend Sitzungen. Genaue Zahlen nennt beim Verband und beim Institut selbst auf Anfrage niemand, weil das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung als heikel gilt. Verbandssprecher Auge äußerte sich gleichwohl überzeugt: „Das bewegt sich in einem ausgesprochen vernünftigen Rahmen, man kann mit dieser Tätigkeit keine Reichtümer erwerben.“ Das Geld müsse voll versteuert werden.

Zudem gibt es Regeln, wonach Mitglieder, die auf dem Ticket einer Partei in das Gremium berufen werden, einen Teil der Bezüge an ihre Partei abführen sollen. Bei den Sozialdemokraten sind es 30 Prozent. Die Kasseler SPD hatte im Streit mit ihrem früheren Vorsitzenden Dr. Bernd Hoppe ein Schlaglicht auf das Thema Verwaltungsratseinkünfte geworfen. Der Vorwurf: Hoppe, der inzwischen aus der SPD ausgetreten ist, solle solche Abführungsbeträge schuldig geblieben sein.

Dass Verwaltungsratsmitglieder seit 2007 höher entschädigt werden, begründet der Sparkassen- und Giroverband so: Die Aufsichtstätigkeit erfordere sehr viel Verantwortung und sei im Lauf der Jahre immer anspruchsvoller geworden. Laut Pressesprecher Auge ist ein Sparkassen-Verwaltungsrat alles andere als ein Abnickverein. Die Finanzaufsicht Bafin verlange zum Beispiel für jedes Mitglied einen Sachkundenachweis, wofür sich die Kontrolleure aufwendig fortbilden müssten. Mit der Anpassung habe der Verband „Nachholbedarf gesehen mit Blick auf vergleichbare Aufsichtsfunktionen in der Wirtschaft“.

Von Axel Schwarz

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