Geplante Investitionen werden überprüft

VW: Sparschritte kommen - vermutlich auch in Baunatal

Fortschritt im Baunataler VW-Werk: In den vergangenen Monaten wurde an vielen Stellen investiert, wie in die neuen Halle 3 a, die zwischen den alten Hallen 3 und 4 gebaut wurde. Weitere Vorhaben kommen nun auf den Prüfstand. Eigentlich sollten bis 2018 zwei Milliarden Euro in den nordhessischen Standort fließen. Archivfoto: Kühling

Kassel / Wolfsburg. VW will als Folge des Abgasskandals sämtliche Investitionen prüfen.  Daraus ergeben sich vermutlich schmerzhafte Sparschritte für das Werk Kassel in Baunatal.

Die grundsätzliche Linie für den Volkswagen-Konzern kündigte der neue Vorstandschef Matthias Müller am Dienstag während einer Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg an. Bisher waren am nordhessischen Standort bis zum Jahr 2018 Investitionen von zwei Milliarden Euro geplant.

Die finanziellen Folgen des Abgasskandals seien heute noch nicht absehbar, sagte Müller in Wolfsburg. „Deshalb stellen wir jetzt alle geplanten Investitionen noch mal auf den Prüfstand. Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben. Und deshalb werden wir das Effizienzprogramm nachjustieren“, so der Vorstandschef. „Ich bin ganz offen: Das wird nicht ohne Schmerzen gehen.“

In Baunatal schlägt das von Müllers Vorgänger Martin Winterkorn angeschobene Effizienzprogramm im laufenden Jahr allein mit Sparvorgaben von 160 Millionen Euro zu Buche. Dieses Ziel hatte Werkleiter Falko Rudolph jedenfalls im April gegenüber unserer Zeitung formuliert.

Bis Dienstag hieß es noch aus dem Werk in Baunatal, dass auf diese Marke auch nach dem Abgasskandal nicht draufgesattelt werde. Nach der Erklärung von Matthias Müller werden die Karten für sämtlich VW-Standorte wohl neu gemischt.

Erklärtes Ziel von Betriebsratschef Carsten Bätzold: Beschäftigung sichern.

„Was das konkret heißt, wissen wir noch nicht, weil wir noch keine Zahlen haben“, sagt Baunatals Betriebsratschef Carsten Bätzold auf Anfrage der HNA. Erklärtes Ziel des Betriebsrates sei, dass der Skandal keine Auswirkungen auf die Arbeitsplätze habe.

„Wir werden alles tun, um Beschäftigung zu sichern.“ Ähnlich äußerte sich auch VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh in Wolfsburg. Dass es noch keine Konsequenzen für Arbeitsplätze gebe, gelte sowohl für die Stammbelegschaft als auch für die Leiharbeiter, so Osterloh. Der Chef der Arbeitnehmervertretung hält es allerdings für möglich, dass die Bonuszahlungen für die VW-Beschäftigten nun geringer ausfallen.

Reaktion von Kunden? 

Große Fragezeichen stehen den Verantwortlichen des Konzerns ins Gesicht geschrieben, geht es um die Reaktion von Kunden auf die Abgas-Affäre. „Was die Kunden machen, wissen wir noch nicht“, sagt auch Carsten Bätzold. Er nennt eine Vorsichtsmaßnahme, die schon seit einiger Zeit für das Baunataler Werk gelte. Mehrarbeit könne nur noch mit Freizeit, und nicht gegen Bezahlung ausgeglichen werden. Das könnte helfen, so Bätzold, wenn es zu Rückgängen bei den Bestellungen und beispielsweise zu Schließtagen im Werk kommen würde.

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