Kämmerer Barthel 20 Jahre im Amt: Sparen hat Vorsorgecharakter

Dr. Jürgen Barthel

Kassel. Dr. Jürgen Barthel feiert am Mittwoch im Rathaus einen besonderen Jahrestag: Seit 20 Jahren ist er in Kassel als Kämmerer für die Finanzen zuständig. Wir haben das zum Anlass genommen, um ihn nach seinen privaten Spartricks zu befragen.

Herr Dr. Barthel, sind Sie privat ein sparsamer Mensch?

Dr. Jürgen Barthel: Eher ja. Zwar knausere ich nicht, aber meine Frau und ich achten schon darauf, dass unsere privaten Finanzen solide sind.

Wo werden Sie schwach und können richtig Geld ausgeben?

Barthel: Für ein gutes Essen, ein gutes Hotel, eine schöne Reise.

Kann es da passieren, dass Sie hinterher das Gefühl haben, zu viel Geld ausgegeben zu haben?

Barthel: Ja. Aber in der Regel achten meine Frau und ich schon vorher auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Für was sparen Sie privat?

Barthel: Für die Altersabsicherung, um auch später ein sorgenfreies Leben führen zu können. Sparen hat für mich Vorsorgecharakter.

Gibt es einen Unterschied zwischen privatem Sparen und Sparen als Kämmerer?

Barthel: Einen riesigen. Eine Stadt muss Investitionen über Kredite finanzieren, weil Generationengerechtigkeit anders nicht zu machen ist. Privat spare ich für eine Anschaffung im Vorfeld.

Ein Auto bezahlen sie bar?

Barthel: Meine Autos habe ich immer bar bezahlt. Ich würde auch nie für eine Reise einen Kredit aufnehmen. Das würde mir sehr widersprechen. Da verzichte ich lieber auf die Reise. Lediglich für unser Haus haben wir ein Darlehen aufgenommen. Das nutzt man ja auch lange.

Ist Sparsamkeit per se eine Tugend, oder wo hört der Sinn von Sparen auf?

Barthel: Wenn eine Ausbildung nicht über die Eltern finanziert werden kann, ist es durchaus sinnvoll, hierfür Geld aufzunehmen. Das ist dann in Ordnung, weil es eine Investition in die Zukunft ist. Auch eine Volkswirtschaft darf in konjunkturellen Krisen nicht sparen. Der Finanzkrise 2009 wurde durch kreditfinanzierte Investitionsprogamme entgegengewirkt. Ich bin fest davon überzeugt, dass nur das geschlossene Agieren der Weltpolitik Schlimmeres abgewendet hat. Dadurch konnten wir 2010 wieder durchstarten.

Wer ist bei Ihnen zu Hause der Kämmerer?

Barthel: Meine Frau und ich. Das machen wir gemeinsam. Wir ticken ähnlich und sind konsensorientiert. Wir haben seit unserer Eheschließung vor 27 Jahren ein gemeinsames Konto. Da kann sich jeder bedienen, völlig problemlos.

Welchen Tipp geben Sie einer Privatperson, die ihren Haushalt konsolidieren muss?

Barthel: In solch einer Lage war ich selbst noch nicht. Allerdings hatte ich am Anfang meiner beruflichen Karriere auch nicht viel Geld und musste stark haushalten. In dieser Zeit habe ich jeden Tag meine Ausgaben aufgeschrieben und genau festgehalten, wofür ich Geld ausgebe und wie viel reinkommt. Gerade für junge Menschen gibt es Löcher im Portemonnaie, die sie nicht bemerken, heute vor allem im telekommunikativen Bereich. Ich rate generell zur Vorsicht bei Kredit- und Leasingangeboten sowie Ratenzahlungen. Wenn man den Überblick verliert, schiebt man schnell eine Bugwelle vor sich her, mit der man nicht mehr zurande kommt. Transparenz, um sich einen Überblick zu verschaffen, ist das Wichtigste. Heute ist dies schwieriger, weil viele Zahlungen virtuell erfolgen und nicht mehr real in barer Münze. Wem die Schulden über den Kopf gewachsen sind, sollte eine Schuldnerberatung aufsuchen.

Haben Sie wegen Schulden - wenn nicht privater, so vielleicht beruflicher Natur - schon schlaflose Nächte gehabt?

Barthel: Schlaflose Nächte habe ich so gut wie nie. Ich finde es dennoch belastend, dass wir künftige Generationen mit unseren Ausgaben möglicherweise überfordern. Es ist gut, dass wir jetzt eine Schuldenbremse in der Verfassung verankert haben: Wir müssen gezwungen werden, Ausgaben und Einnahmen ins Gleichgewicht zu bringen.

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