Spatenstich an der A7: Buddeln für ein gutes Pressefoto

Spatenstich an der A 7: (von links) Staatssekretär Rainer Bomba (vom Sand verdeckt), Minister Posch, die Landtagsabgeordneten Decker (SPD Kassel) und Lenders (FDP Fulda) sowie Lohfeldens Bürgermeister Reuter. Fotos: Koch

Kassel. Am Freitag war Baubeginn für die Lärmschutzwände an der Autobahn 7 - etwa 60 Gäste verfolgten den ersten Spatenstich. Was ist das eigentlich - und wer bezahlt eine solche Veranstaltung?

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Ein Spatenstich ist laut Duden schlicht das „Einstechen mit dem Spaten und das Umwenden der dabei gelockerten Erde“. Handelt es sich allerdings um einen „ersten Spatenstich“, dann ist das ein vielfach beachteter symbolischer Akt. Über den wird berichtet - auch in unserer Zeitung.

Nicht so romantisch

Meist macht ein Prominenter den ersten Spatenstich, wenn bedeutende Bauarbeiten der öffentlichen Hand anstehen. Ein Minister, ein Bürgermeister oder andere Honoratioren - wollen die sich nicht die Hände schmutzig machen, wird zuweilen ein Bagger eingesetzt. Das ist dann technisch beeindruckend, aber längst nicht so romantisch. Die dabei entstehenden Fotos sind auch eher nüchtern.

Der Spatenstich:

Mitunter wird der erste Spatenstich auch missbraucht. Das zeigt ein Beispiel aus Dresden. Da griff der damalige Bürgermeister Herbert Wagner im November 2000 zum Spaten, um zum Auftakt des Baus der Waldschlösschenbrücke die heimische Scholle umzugraben. Was er dabei nicht verriet, war die Tatsache, dass es noch kein Baurecht gab - allerdings standen Stadtratswahlen an. Der Baubeginn war sieben Jahre später.

Allein beim Spatenstich? Irrtum: Die Zuhörer halten bei den Ministerworten nur Abstand und sind nicht auf dem Bild.

Es gibt viele Erste Spatenstiche in unserer Region, schließlich wird an den Autobahnen A 7, A 44 und A 49 gebaut. Meist wird extra eine Fläche planiert, damit die geladenen Gäste nicht im Matsch stehen. Es werden Flaggen gehisst, ein Rednerpult wird aufgebaut. Zum Schluss gibt’s in einem örtlichen Lokal einen Imbiss. Mit Schnittchen, Kaffee und Kaltgetränken. Da drängt sich die Frage auf: Wer bezahlt das eigentlich?

Der gestrige erste Spatenstich für den Lärmschutz an der A 7 im Kasseler Becken bot Gelegenheit nachzufragen. Hier die Antworten:

Da der Bund die Autobahn bezahlt, trägt er auch die Kosten für den ersten Spatenstich. Die sind gleich in den Baukosten enthalten. Die planierte Fläche bleibt nicht einfach so zurück, sondern wird für die Baustelle benutzt. Das Rednerpult samt der dazugehörenden sechs Kübel mit immergrünem Blattwerk gehört dem Kasseler Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV). Es wird dauernd eingesetzt.

Fast immer freitags

Ebenso ist die Lautsprecheranlage für die Reden Eigentum des ASV. Für die Flaggen sorgt die jeweils betroffene Gemeinde, und die Schnittchen nebst Getränken zahlt wiederum der Bund. Bleibt noch die Frage, warum die ersten Spatenstiche in der Region meist freitags stattfinden. Nutzt da der Verkehrsminister die Fahrt vom Dienstort Wiesbaden, um anschließend schnell ins heimische Melsungen ins Wochenende zu kommen? Dieter Posch ging bei dieser Frage gestern gleich die Galle hoch: Das sei „absurd“. Denn: Erstens lege nicht er die Termine für den Spatenstich fest, sondern der Bund. Und zweitens fahre er auch am Freitag wieder nach Wiesbaden zurück. Schließlich habe er mehr zu tun, als in Nordhessen die Erde umzubuddeln.

Von Frank Thonicke

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