Kirchengemeinde St. Josef in Rothenditmold verteilt samstags Lebensmittelspenden

Die Speisung der Armen

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Freuen sich über die erste Lebensmittelspende der Pfarrgemeinde Christus Erlöser in Baunatal: Petra Gaul (von links), Pfarrer Stefan Krönung, Lothar Nöller und Antonio Perez, die die Gemeindearbeit in St. Joseph ehrenamtlich unterstützen.

Rothenditmold. Salate, Gemüse, Obst, Brot, Reis, Nudeln: In säuberlich aufgereihten Kisten stehen die Lebensmittel auf langen Tischen in einem schmalen Gang des Gemeindezentrums der Kirche St. Joseph in Rothenditmold.

Jeden Samstag ab 14.30 Uhr kommen Menschen dorthin, die nicht über genug Geld verfügen, um sich mit ausreichend Lebensmitteln einzudecken. „Manchmal sind es 20, manchmal sind es 40 Personen, die mit bepackten Rollis und Taschen nach Hause gehen“, sagt Petra Gaul, die die Arbeit der Lebensmittelhilfe ehrenamtlich unterstützt.

Seit einem Jahr gibt es das Projekt. „Immer wieder haben Menschen an unsere Pfarrhaustür geklopft, die über Hunger klagten und Essen brauchten“, sagt Gemeindepfarrer Stefan Krönung. „Wir haben ihnen gegeben, was sie brauchten: etwas zu essen.“ Aufgrund dieser Erfahrung hat man sich in der katholischen Gemeinde auf dem Rothenberg Gedanken über die sozialen Belastungen im Stadtteil gemacht und darüber, was man als Kirche tun kann: „Etwa 30 Prozent der Menschen leben unter der relativen Armutsgrenze. In den vergangenen zehn Jahren konnten wir eine dramatische Abwärtsentwicklung beobachten“, sagt Krönung. „Wir erleben hier sehr viel Not.“

Der Anstoß zur Lebensmittelhilfe kam im Vorjahr durch einen Bio-Markt, der die ersten Lebensmittel spendete. „Das waren Produkte, die zum Wochenende aussortiert werden mussten, weil sie montags nicht mehr für den Verkauf geeignet gewesen wären“, sagt Krönung.

Heute kommen die Spenden aus verschiedenen Quellen. „Es gibt private, häufig anonyme Lebensmittel- oder Geldspenden, mit denen wir einkaufen gehen“, sagt Gaul. Ein Großteil des frischen Gemüses holt die Gemeinde jeden Freitag vom Feld. „Wir bauen im Rahmen des Projektes Essbare Stadt Kassel auf der Domäne Frankenhausen seit drei Jahren auf fünf Parzellen Land Salate, Kräuter, Kartoffeln und Gemüse an“, erzählt sie weiter. Weitere Spender sind unter anderem die Evangelische Kirchengemeinde Niederkaufungen, die Gemeinde St. Laurentius im Philippinenhof und die Katholische Pfarrgemeinde Christus Erlöser in Baunatal.

Ziel der Lebensmittelhilfe ist es, Bedürftigen eine sättigende Mahlzeit fürs Wochenende zu geben. „Wir achten darauf, den Bedarf an Grundnahrungsmitteln zu decken. Wenn möglich, auch bio“, sagt Gaul. Sie ist eine von rund zehn Ehrenamtlichen, die samstags nicht nur Essen ausgeben, sondern auch versuchen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und weitere Möglichkeiten der Hilfe aufzuzeigen. „Es macht oft sehr betroffen“, sagt sie. Manchmal heißt es auch, einfach mal Mut oder eine kleine Freude machen: „Zum Beispiel ein Geburtstagsständchen zu singen“. weitere Artikel

Von Helga Kristina Kothe

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