Spektakulärer Raub auf Autobahn in Nordhessen kein Einzelfall

Kassel. Diebe haben sich darauf spezialisiert, fahrende Lastwagen auf der Autobahn auszurauben. In Nordrhein-Westfalen sind Dutzende Fälle bekannt, nun soll eine Bande auch in Nordhessen zugeschlagen haben. Aber in allen Fällen fehlt die entscheidende Spur.

Der spektakuläre Raub aus einem fahrenden Lkw in Nordhessen ist kein Einzelfall gewesen. Ermittler in Nordrhein-Westfalen suchen bereits seit mehr als einem Jahr erfolglos nach dreisten Räubern, die ihre Beute aus fahrenden Lastwagen stehlen. Sie könnten für etwa 50 Fälle dieser Art verantwortlich sein, teilten die Dortmunder Staatsanwaltschaft und eine Polizeisprecherin am Mittwoch auf Anfrage mit. Eine Spur zu konkreten Verdächtigen gebe es aber nach wie vor nicht. Außerdem habe es in den den vergangenen Monaten zumindest in Nordrhein-Westfalen keinen weiteren bekanntgewordenen vergleichbaren Fall gegeben.

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Die Unbekannten haben sich darauf spezialisiert, meist nachts und bei hoher Geschwindigkeit mitten auf der Autobahn die Ladefläche von Lastwagen zu entern, um dort Beute zu machen. Fälle dieser Art gebe es keineswegs nur in Nordrhein-Westfalen, hieß es weiter. Polizei und Staatsanwaltschaft in Dortmund sind in Nordrhein-Westfalen landesweit zuständig für die Ermittlungen zum sogenannten Truck Robbery - also zum Raub aus Lastwagen.

Im Internet kursiert ein Video aus Rumänien, in dem das abenteuerliche Vorgehen zu sehen ist. Aber die Suche nach Tätern ist kompliziert: Der Tatort sei kaum zu bestimmen, daher seien auch mögliche Zeugen für die Raubzüge nur schwer zu finden, heißt es in Dortmund und Kassel.

Auch in Nordhessen soll eine Bande auf ähnliche Weise zugeschlagen haben. In halsbrecherischer Weise stahlen sie nach Angaben vom Dienstag teure iPhones und iPads von einem Lastwagen. Der Fahrer eines Sattelzugs hatte am Morgen während einer Pause in Kassel festgestellt, dass Teile seiner Ladung verschwunden waren. Laut Polizei hatten die Täter das Sicherungsschloss der Plane mit einem Bolzenschneider geknackt und unter anderem knapp 130 iPads und rund drei Dutzend iPhones geklaut. „Derzeit deute alles darauf hin, dass die Täter mit einem lebensgefährlichen Fahrmanöver während der Fahrt zuschlugen“, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Artikel aktualisiert um 11.20 Uhr

Nach den Erkenntnissen der Ermittler gehen die Banden stets ähnlich vor: Sie fahren in der Regel in den ganz verkehrsarmen Zeiten mitten in der Nacht mit größeren Geländewagen direkt hinter den Truck und halten auch dessen Geschwindigkeit ein. „Aus dem Seitenfenster oder durch das Schiebedach klettern Täter über die Motorhaube des fahrenden Wagens und gelangen so an die Rückfront des Lkw“, heißt es weiter. Sie brechen die Tür zum Laderaum, knacken das Schloss oder schneiden die Plane auf, dann reichen sie die Beute von Hand zu Hand nach hinten über die Motorhaube in den Wagen weiter. „Die Aktion dauert in der Regel nur wenige Minuten und wird vom Lkw-Fahrer nicht bemerkt, weil der Wagen der Diebe im „Windschatten“ des Lasters fährt“, erklärten die Ermittler. (lhe)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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