HNA-Telefonaktion: Experten beantworteten Fragen

Organspende: Bereitschaft schriftlich festhalten

Großer Aufwand: Bei einer Organentnahme müssen die Abläufe gut abgestimmt sein. Hier wird eine Herzentnahme vorbereitet. Foto: dpa

Kassel. Die Zahl der Organspenden ist laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) alarmierend zurückgegangen: 2012 wurden 3551 Organe gespendet, im Jahr zuvor waren es noch 3917.

Der Bedarf ist aber weitaus größer. Etwa 12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Mit 12,8 Spendern pro eine Million Einwohner lag die Organspendenquote 2012 so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Experten führen den Rückgang vor allem auf die Transplantationsskandale im vergangenen Jahr zurück, unter anderem an der Uni-Klinik Göttingen. Auch in diesem Jahr setzt sich der Trend nach unten fort: Von Januar bis Juni wurden 1597 Organe gespendet. Im gleichen Zeitraum 2012 waren es 1868.

Fragen rund um das Thema Organspende beantworteten bei der HNA-Telefonaktion Dr. Felix Gössler (AOK Hessen) und Karsten Gehmlich (DSO):

Ich bin 90 Jahre alt und würde gern nach meinem Tod Organe spenden, wenn das anderen Menschen hilft. Ist das in meinem Alter möglich?

Gössler: Ein hohes Alter ist kein Ausschlusskriterium für die Organspende. Man kann auch im hohen Alter noch Organe spenden. Wenn der Hirntod diagnostiziert ist, wird untersucht, welche Organe für ein Spende infrage kommen. Voraussetzung ist, dass man seine Bereitschaft zur Organspende mit einem Organspendeausweis, im Testament oder in einer Patientenverfügung schriftlich dokumentiert. Ist das nicht der Fall, müssen die Angehörigen etwa aufgrund einer mündlichen Willensbekundung des Patienten über eine Organentnahme entscheiden.

Wie sicher ist die Hirntod- Diagnose?

Gehmlich: Zunächst müssen zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander, unabhängig vom Transplantationsteam und zu unterschiedlichen Zeiten den Hirntod feststellen. Das ist der Fall, wenn alle drei Gehirnregionen – Großhirn, Kleinhirn und Stammhirn – abgestorben sind. Anschließend kontrolliert ein Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantantaion die Hirntodprotokolle der beiden Ärzte. Ergeben sich darin Unstimmigkeiten, werden zusätzliche Untersuchungen angeordnet. Es werden keine Organe entnommen, wenn der Hirntod nicht sicher diagnostiziert ist. Dieses Verfahren ist in Deutschland gesetzlich festgeschrieben. Manche Menschen verwechseln Hirntod mit Koma, bei dem ein Teil des Gehirns noch funktioniert. Beim Hirntod sind alle Hirn-Funktionen unwiederbringlich erloschen.

Ist eine Gewebespende von Krebspatienten möglich?

Gössler: Menschen mit akuten Krebserkrankungen kommen nicht als Spender von Geweben wie beispielsweise Augenhornhäute, Knochen, Sehnen, Herzklappen oder Blutgefäßen infrage. Außerdem dürfen sie keine Organe spenden. Das Risiko, dass Krebszellen auf den Empfänger übertragen werden, wäre einfach zu groß.

Ich hatte 2004 eine Krebserkrankung, ein Non-Hodgkin-Lymphom. Komme ich dennoch als Organspender infrage?

Gehmlich: Wenn die Krebserkrankung geheilt ist, ist eine Organspende nicht ausgeschlossen. Anders ist das bei einer akuten Krebserkrankung, ebenso wie bei schweren Infektionskrankheiten, etwa Aids. Dann dürfen keine Organe entnommen und transplantiert werden.

Ich habe einen Organspendeausweis und darin meine Bereitschaft zur Organspende dokumentiert. Was ist, wenn meine Angehörigen nach meinem Tod einer Organentnahme nicht zustimmen?

Gehmlich: Der Organspendeausweis hat genauso wie ein Testament und eine Patientenverfügung eine rechtliche Bindung. Wird darin ausdrücklich die Organentnahme gestattet, gilt dies als letzter Wille des Patienten. Rein rechtlich können dann Organe auch gegen den Willen der Angehörigen entnommen werden. In einem solchen Fall wird aber immer das Gespräch mit den Angehörigen gesucht. Häufig lassen sich im Gespräch Ängste der Angehörigen beseitigen. Viele begreifen nicht, dass der Angehörige tot ist, auch wenn der Blutkreislauf zur Erhaltung der Organfunktionen künstlich aufrechterhalten wird. (mkx)

Von Mirko Konrad

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