Moderner Opferstock

Spenden in der Martinskirche ist jetzt mit Kreditkarte möglich

Der Klingelbeutel war einmal: Claus Beller (links) von der Evangelischen Bank und Pfarrer Willi Temme probieren die Spendensäule in der Martinskirche aus.
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Der Klingelbeutel war einmal: Claus Beller (links) von der Evangelischen Bank und Pfarrer Willi Temme probieren die Spendensäule in der Martinskirche aus.

In der Kasseler Martinskirche gibt es fortan eine digitale Spendensäule. Die Besucher können mit Giro- oder Kreditkarte kontaktlos Geld einzahlen. Die Hoffnung ist groß, dass somit mehr Spenden zusammenkommen.

Kassel – Wer von nun an die Martinskirche betritt und ein wenig um die Ecke schaut, der fühlt sich ein bisschen wie im Selbstbedienungsbereich einer Bank. Denn gleich neben dem Eingang befindet sich ein Automat, der mit Geld umzugehen weiß. Es handelt sich dabei um eine digitale Spendensäule, die gestern vorgestellt wurde und in Nordhessen noch ihresgleichen sucht.

Mit Hilfe der modernen Technik kann nun jeder kontaktlos spenden – mit der Giro- oder Kreditkarte, dem Smartphone oder der Smartwatch. Der Betrag lässt sich mit einem Rädchen einstellen – von einem Euro bis 999 Euro ist jede Spende möglich. Die verzweifelte Suche nach Kleingeld in irgendeiner Hosentasche, wenn der Klingelbeutel kommt, fällt somit weg.

Zur digitalen Spendensäule ist die Martinskirche der Evangelischen Kirchengemeinde Kassel-Mitte über einen Wettbewerb der Evangelischen Bank gekommen. Letztlich gab es bundesweit 35 Bewerbungen für sechs solcher Geräte. Nun wünscht sich Pfarrer Willi Temme, dass der moderne Opferstock auch angenommen wird: „Unsere Hoffnung ist, dass wir mit der neuen Technik auch eine neue Spendenquelle auftun können, um möglichst vielen Leuten in dieser schwierigen Zeit helfen zu können.“

Dass die Spendenbereitschaft der Menschen für eine bestimmte Sache hoch ist, das hat er zuletzt mehrfach erfahren: Für die neue Orgel in der Martinskirche kamen auf diese Art und Weise 900 000 Euro zusammen, für die Möblierung der Kirche mehr als 100 000 Euro. Und nun? Denkt Temme an die vielen hilfsbedürftigen Menschen in der Innenstadt, die zum Beispiel warme Mahlzeiten benötigen.

Mit der digitalen Spendensäule könnte nun auch dafür mehr Geld zusammenkommen. Temme will jetzt erst einmal Erfahrungen sammeln, wie sie angenommen wird. Er spricht von Neuland. Die Erwartung auch von Claus Beller, dem Direktor der Vertriebsregion Mitte-West der Evangelischen Bank, ist, dass vor allem jene das neue Angebot nutzen, die unter der Woche die Kirche besuchen – fernab von einem Gottesdienst. Für Beller ist der moderne Opferstock eine natürliche Folge der Zeit: „Die Digitalisierung schreitet weiter voran und macht auch vor den Kirchen nicht Halt.“ Der Besucher soll mehr und flexiblere Möglichkeiten erhalten, Geld zu spenden, zumal der gute alte Klingelbeutel so langsam, aber sicher ausdient, was vor allem mit Corona zu tun hat. Auf diese Art und Weise ist früher zu Festgottesdiensten in der Martinskirche laut Temme auch schon mal ein vierstelliger Betrag zusammengekommen.

Die digitale Spendensäule soll auch ihn kompensieren. In manch anderen Kirchen Deutschlands wird sie schon eingesetzt – wie zum Beispiel in der Münchner Lukaskirche, in der das neue Angebot schon gut angenommen wird, wie eine Mitarbeiterin bestätigt.

In der Nürnberger Gemeinde St. Lorenz lässt sich dagegen noch nicht abschließend beurteilen, ob der digitale Opferstock ein Erfolg ist, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Das habe auch mit den Umbauarbeiten in der Kirche und dem noch nicht optimalen Standort der Spendensäule zu tun.

In der Martinskirche ist sie mittlerweile fest verankert, allerdings wird weiter darüber nachgedacht, ob noch offensiver auf die Spendensäule hingewiesen wird. Bisher steht sie noch recht verloren in der Ecke. (Florian Hagemann)

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