Anlaufstelle für Radler mit Faible fürs Individuelle

Spezialist für Klassik-Räder: die Fahrradwerkstatt „Bike Tyson“

Früher waren die Fahrräder einfach schöner: Das findet Bike-Tyson-Inhaber Stefan Herren, hier mit einem italienischen Bianchi-Rennrad aus den frühen 1970ern mit Holzfelgen. „Die nehmen ganz ohne Federung die Härte aus der Straße.“ Foto:  Schachtschneider

Kassel. Für viele Radfahrer ist die Fortbewegung auf zwei Rädern eine Frage der Ästhetik – die formschönen Räder vergangener Jahrzehnte gefallen ihnen weit besser als neue Karbon-Flitzer aus dem Fachmarkt.

„Das ist wie mit alten Autos, die sind auch fast immer schöner“, sagt Stefan Herren. In seiner Radwerkstatt „Bike Tyson“ an der Bettenhäuser Straße (Unterneustadt) bedient der 41-Jährige vor allem Radler, die es klassisch mögen.

Wer so ein betagtes Schätzchen aus den 1960er- oder ’70er-Jahren im Schuppen hat, kann es sich bei Herren für überschaubare Beträge in Neuzustand versetzen lassen – oder sich eins der fertig instand gesetzten Klassikräder aussuchen, die teils frisch lackiert, mit blinkenden Chromteilen und altmodischen, aber neuen Ledersätteln im Laden stehen.

Herrens Herz hängt besonders an den alten, federleichten Rennradklassikern von Marken wie Pinarello, Bianchi oder Cinelli. Bei solchen Sammler- und Liebhaberstücken, die meist nur gelegentlich bis vors Straßencafé gefahren werden, restauriert der frühere Radsportler und fahrradtechnische Autodidakt („schon mit sechs Jahren war ich ein Werkzeugfreak“) sogar die Schriftzüge auf dem Rahmen.

Das Handwerk ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige überhaupt. Auch in der Stadt Kassel ist die Branche mit 1934 Betrieben und 8700 Beschäftigten traditionell stark – und vielseitig. In einer kleinen Serie stellen wir in den nächsten Wochen und Monaten einige von ihnen vor.

Ein nackter Stahlrahmen aus der richtigen Epoche genügt dem Fahrrad-Flüsterer, um auf Wunsch seiner Kunden zum Beispiel ein alltagstaugliches Stadt-Tourenrad mit individuellen Details zu schaffen – so etwas ist bei „Bike Tyson“ im dreistelligen Preisbereich zu haben, die klassische Einzigartigkeit ist inklusive. Jeder Fahrradwunsch könne abgesprochen werden, sagt Herren: Viele Kunden – ob mit eigenem Altrad oder mit Kaufinteresse – würden ihr Budget nennen und sich erkundigen, was für diese Summe zu machen sei.

Im Internet, auf Tauschbörsen und Flohmärkten bezieht Herren das Material für seine schönen Räder. Er macht aber auch „ganz normale Reparaturen und Servicearbeiten“ in seinem Werkstattladen, den er Ende 2003 nach einer Elternzeitphase eröffnet und damit seine Passion zum Gewerbe gemacht hat. Seinen Job im Outdoorfachgeschäft Kletterkogel hat er dafür aufgegeben.

Nische im Fahrradhandel

„Inzwischen läuft es immer besser“, sagt der Gründer, der in Kassels Fahrradszene offenbar eine Nische erschlossen hat. Zu Herren kommen Zweirad-Individualisten, Sammler und Anbieter klassischer Räder sowie neuerdings immer mehr Kunden, die von anderen Fahrradwerkstätten geschickt werden, weil die sich zum Beispiel mit bestimmten alten gebrochenenen Bremshebeln nicht mehr beschäftigen – aber einen Tipp haben, wer dies in Kassel tut.

Der „Bike Tyson“-Schriftzug, der auf jeder von Herrens individuellen Fahrradschöpfungen steht, sei „meine beste Werbung“, sagt der Inhaber der Fahrradwerkstatt. Viele, die eins seiner Räder im Stadtbild sehen, würden sich bei den Besitzern erkundigen, wo man so ein schönes Stück bekommt.

www.biketyson.de

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