Buchhandelskette will ergänzendes Spielwarengeschäft in ihren Filialen künftig in Eigenregie organisieren

„Spiele Max“ zieht bei Thalia aus

Fassadenwerbung des Untermieters soll bis September verschwinden: Die Thalia-Filiale an der Oberen Königsstraße. Foto:  Schwarz

Kassel. In der Buchhandlung Thalia an der Oberen Königsstraße steht erneut ein Sortimentsumbau an: Der Spielzeughändler Spiele Max wird nach neun Monaten als Untermieter in der 1. Etage wieder ausziehen, kündigte das Unternehmen an.

Ab Mitte September wird Thalia die gesamte Fläche wieder in Eigenregie betreiben. In einer neuen Themenwelt „Spaß in der Familie“ wolle man im Obergeschoss Bücher und Spielwaren zu einem geänderten Vermarktungs-Ansatz verknüpfen.

Die Kooperation mit Spiele Max, im November 2011 in den Thalia-Häusern Kassel und Krefeld als Pilotprojekt gestartet, sei nicht so positiv aufgenommen worden wie erhofft, sagte eine Thalia-Sprecherin auf HNA-Anfrage. Der Kasseler Filialleiter Michael Fecke sagte, es sei für die Kunden „sehr schwer zu verstehen“, dass sie es innerhalb eines Hauses mit zwei verschiedenen Firmen als Ansprechpartner zu tun hätten.

Partnerschaft endete Samstag

Auf den 500 Quadratmetern von Spiele Max in der Kasseler Filiale waren am Samstag die Regale bis auf Restbestände weitgehend leergeräumt. Das sei bereits der letzte Verkaufstag für den Untermieter gewesen, sagte Thalia-Filialleiter Fecke. Anfang dieser Woche würden er und seine Mitarbeiter voraussichtlich informiert, wie Thalia sich die Neugestaltung der Fläche vorstellt.

Vor einigen Tagen hatte die zur Douglas Holding AG gehörende Buchhandelskette eine „strategische Partnerschaft“ mit dem Spielzeugriesen Toys „R“ Us angekündigt. Der neue Partner solle auch bei der Sortimentsgestaltung mitreden, und zwar in allen rund 300 Thalia-Häusern „je nach Größe in unterschiedlicher Ausprägung“. In der Kasseler Hauptfiliale werde die Umgestaltung am 3. September beginnen.

In den Medien wurden die Planungen mit teils scharfer Kritik kommentiert. Thalia verabschiede sich immer weiter vom Kernprodukt Buch und agiere dabei konzeptlos, schrieb die „Wirtschaftswoche“ und sah Anzeichen einer „Kapitulation“ vor dem Strukturwandel auf dem Buchmarkt, der die großen Ketten weit stärker als die kleinen Buchläden trifft. Erst vor Kurzem hatte Thalia tiefrote Geschäftszahlen verkündet, was auch den Mutterkonzern Douglas ins Minus drückte. Mit Sortimentsoptimierungen und Filialschließungen – aktuell angekündigt für Essen, Köln, Dortmund und Bielefeld – versucht Thalia gegenzusteuern.

Thalia macht allerdings keine Ausnahme bei dem Branchentrend, dass es in solchen Filialen immer weniger Bücher und immer mehr Spielwaren, Deko- und Geschenkartikel zu kaufen gibt. Den Umsatzanteil mit solchen Produkten gibt Filialleiter Fecke mit 27 Prozent an. Das wäre noch eine vergleichsweise moderate Quote: Laut Börsenverein des deutschen Buchhandels erwirtschaften die landesweit 4900 Buchhandlungen mittlerweile bis zu 39 Prozent ihres Umsatzes mit Duftkerzen, Prinzessin-Lillifee-Mäppchen, Garfield-Tassen, Badesalz und ähnlichem Klimbim.

Von Axel Schwarz

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