Sehbehinderte Torballer der Behindertensportgemeinschaft kämpfen um die deutsche Meisterschaft

Sie spielen mit dem Klingelball

Sie kämpfen am kommenden Wochenende mit ihren Mannschaftskameraden um die deutsche Meisterschaft: Die sehbehinderten Torballer Stefan Collet (von links), Michael Kraft und Deniz Kürtoglu von der Behindertensportgemeinschaft Kassel. Fotos: Steinbach

kassel. Der Ball sieht aus wie ein gewöhnlicher, etwas zu groß geratener Handball: Er ist weiß, rund und aus Leder. Doch wenn Stefan Collet dieses Sportgerät in die Hand nimmt, um gegen die Mannschaft auf der anderen Seite des Feldes ein Tor zu werfen, erklingt ein Geräusch, das mehr an Weihnachten als an Ballsport erinnert: Es klingelt.

Ohren ersetzen die Augen

Wir sind zu Gast bei den Torballern der Behindertensportgemeinschaft Kassel (BSG) und das Klingeln des Balles gibt den Sportlern Orientierung. Denn die Torballer sind sehbehindert und könnten ohne den Klingelball nicht spielen.

„Die Ohren ersetzen die Augen“, beschreibt Thomas Abel, Trainer der Kasseler Torballer, das Grundprinzip dieser Sportart, in der die Spieler entweder vollständig erblindet sind oder durch eine schwarze Maske am Sehen gehindert werden.

Eine Mannschaft besteht dabei aus drei Spielern, in der Mitte trennen drei Leinen das Feld, am Ende stehen zwei große Tore - und da muss der Klingelball rein. „Die Kugel muss unter den Leinen hindurch geworfen werden und das Tor der anderen Mannschaft treffen“, erklärt der Übungsleiter die Regeln; berührt der Ball eine der Leinen gibt es Freiwurf für den Gegner.

Gewonnen hat, wer am Ende der Spielzeit von zehn Minuten die meisten Tore erzielt hat. Aber: Was theoretisch ganz einfach klingt, ist in der Praxis Hochleistungssport: „Man muss voll konzentriert sein, um die Orientierung nicht zu verlieren und zu wissen, wo Mitspieler und Gegner stehen und wohin der Ball fliegt“, erzählt Helmut Ernst. Der 60-Jährige ist vollständig blind und ein alter Hase auf dem Torballfeld.

Was einem Anfänger als Ding der Unmöglichkeit erscheint, macht er mit links: „Aber das ist wie in jedem Sport, Übung macht den Meister.“

Geübt haben Ernst und seine Mannschaftskameraden in den vergangenen Wochen übrigens ganz besonders fleißig: Am nächsten Samstag (17. März) spielen die Torballer der BSG in der neuen Sporthalle am Wilhelmsgymnasium (Kunoldstraße 51) nämlich um die deutsche Meisterschaft. Los gehts um 8.30 Uhr, das Finale steigt gegen 18 Uhr. Zugejubelt werden darf den Mannschaften aber nicht: Während der Spiele ist es mucksmäuschenstill - und nur das Klingeln des Balles treibt die Torballer zum Sieg. Über Unterstützung freuen sie sich trotzdem. www.bsg-kassel.de

Von Christoph Steinbach

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