Bei Verkauf der Stadtteilbibliothek: Kein Spielplatz mehr für Kita

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Müssen vielleicht bald woanders spielen: Die 34 Kinder der Kita „Die Knirpse“ mit Leiterin Gabriela Persch nutzen seit zehn Jahren die Wiese hinter der Bibliothek in Wilhelmshöhe.

Kassel. Der mögliche Verkauf der Stadtteilbibliothek in Wilhelmshöhe könnte auch Folgen für die Kita „Die Knirpse“ haben. Seit zehn Jahren nutzt die Einrichtung die Wiese hinter der Bibliothek als Spielfläche.

Denn vor dem Haus in der Kunoldstraße fehlt für die Kinder zum Toben der Platz. Wird die Bibliothek und das Grundstück verkauft, drohe der Kita sogar die Schließung, sagt Leiterin Gabriela Persch.

Im Laufe der Zeit haben Gabriela Persch und ihre acht Mitarbeiter eine Rutsche, ein Klettergerüst und einen Sandkasten in Eigenarbeit dort aufgebaut. Dann erfuhren sie aus der Zeitung von den Einsparungen rund um die Bibliotheken, die aus ihrer Sicht existenzbedrohend sind. „Die Stadt hat uns nicht informiert“, sagt die 59-Jährige.

34 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren kommen unter der Woche in das Haus an der Kunoldstraße. Der Garten um das Gebäude ist zu klein. „Deshalb haben wir mit der Stadt abgemacht, dass wir den Garten der Bibliothek nutzen dürfen“, sagt Persch. Sie zahlen keine Pacht. Nutzung für Pflege sei im Vertrag vereinbart worden. Das übernehmen die Kita-Mitarbeiter und freiwillige Helfer von der Elterninitiative „Die Knirpse“, die die Einrichtung vor 25 Jahren gegründet haben.

Zum Spielen müsse rechtlich eine gewisse Freifläche bereitgestellt werden. „Wenn die Wiese wegfällt, bekommen wir ein Problem“, sagt Persch. Statt das 25-jährige Bestehen der Kita in diesem Jahr zu feiern, hat sie Angst vor der Schließung.

„Die Betriebserlaubnis ist durch einen möglichen Wegfall des Außengeländes nicht gefährdet“, teilte Petra Bohnenkamp, Pressesprecherin der Stadt mit. In Hessen gebe es keine gesetzlichen Regelungen, die dem Träger solcher Einrichtungen - in diesem Fall der Verein - die Größe eines Außengeländes vorschreiben. Der Verein hätte also die Möglichkeit, fehlendes Gelände durch Angebote im Bereich Bewegungserziehung auszugleichen. Zur Zeit könne man wegen des möglichen Bürgerbegehrens ohnehin nicht viel machen. Danach wolle man sich aber um eine Lösung bemühen, sagte Bohnenkamp.

Dass sie nicht in Kenntnis gesetzt wurde, verursachte bei Leiterin Persch trotzdem ein mulmiges Gefühl: „Die Stadt zeigt offenbar kein großes Interesse, sich für uns einzusetzen,“ sagt sie. Auch die Briefe, die sie im Dezember an Bertram Hilgen, Dr. Jürgen Barthel, Christof Nolda, Anne Janz, Petra Friedrich und den Ortsbeirat geschickt hat, seien nur von Hilgen, Friedrich und Janz beantwortet worden. Da habe aber nichts Konkretes dringestanden, sagt Persch über die Schreiben, in denen sie um Hilfe gebeten hatte. Eine Variante könnte aus ihrer Sicht sein, dass die Kita das Bibliotheksgebäude mietet. Die Plätze zu erhalten, müsse doch im Interesse der Stadt sein, glaubt sie. „Einen Kauf können wir nicht stemmen.“

Von Max Holscher

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