Animationsexperte der Universität über den Erfolg Kasseler PC-Spiele und die geplante Fachrichtung

„Spieleprofessur wird kommen“

Für Computerspielpreis in den USA nominiert: Das Spiel „Symmetrain“ ähnelt den Comics von Tim und Struppi. Fotos: privat

Teaser: Schon fünf Mal waren Kasseler Studenten und Absolventen beim Computerspiel-Nachwuchspreis in San Francisco (USA) vertreten. Jetzt ist erneut ein Entwickler nominiert. Wir sprachen mit Prof. Thomas Meyer-Hermann von der Kunsthochschule Kassel über die Gründe des Erfolg

Herr Professor Meyer-Hermann, schon wieder ist ein Absolvent der Universität Kassel für einen Computerspielpreis nominiert. Warum gibt es eigentlich nicht längst einen eigenen Studiengang dafür? 

Prof. Thomas Meyer-Hermann: Solche Studiengänge sind in Deutschland eine ganz große Seltenheit. Es ist für Universitäten schwierig, kurzfristig Professuren mit diesem Schwerpunkt einzurichten. Dazu ist einiger bürokratischer Aufwand nötig. Ich kann aber schon mal verraten: In Kassel soll eine solche Professur kommen. Und zwar in absehbarer Zeit, also den kommenden Jahren.

Ist es denn ein Trend an der Kunsthochschule, dass die Studenten in die Spieleentwicklung gehen?

Meyer-Hermann: Viele sehen, dass es dort einen Markt gibt. Vor allem spielen sie selbst und wollen damit kreativ umgehen. An der Kunsthochschule unterstützen wir das. Dass in den letzten Jahren fünf Kasseler Studenten bzw. Absolventen beim Independent Games Festival (IGF) für ihre Spiele ausgezeichnet wurden, das sagt schon etwas aus. Wir haben erkannt, dass Spiele nicht nur ein rasant wachsender Marktfaktor sind, sondern auch immer mehr Bedeutung als künstlerisches Ausdrucksmittel gewinnen. Als Studiengang der Visuellen Kommunikation müssen wir auf diesen Zug aufspringen.

Fördern Sie die Zusammenarbeit von Kunststudenten und Informatikern auf bestimmte Weise an der Uni?

Meyer-Hermann: Ja, das machen wir. Jedes Jahr veranstaltet die Universität eine Art Speeddating zwischen Informatikern aus dem Ingenieursbereich und Studenten mit dem Schwerpunkt Visuelle Kommunikation. Daraus haben sich schon viele Zusammenarbeiten ergeben - zum Beispiel entstand so auch das Black Pants Games Studio, das im vergangenen Jahr den Deutschen Computerspielpreis in Berlin gewonnen hat. Parallel zu den Projekten der Studierenden richten wir seit vier Jahren den „Spielsalon“ im Kasseler Fridericianum aus. Dort werden deutsche und internationale Spiele ausgestellt und die Spieleentwickler kommen untereinander in Kontakt.

Was meinen Sie – wird Kassel durch die erfolgreichen Spieleentwickler von der Universität das Silicon Valley Deutschlands?

Meyer-Hermann: Kassel als Standort von Facebook und Google? Das wäre wirklich etwas, was man anstreben könnte (lacht). Vielleicht ist die amerikanische Dimension eine Illusion, aber wir reden auf jeden Fall über einen Bereich der Kreativwirtschaft, wo Kassel einen Pflock einhauen sollte. Die Stadt würde sich bestimmt freuen, wenn sich weitere Start-up-Unternehmen hier ansiedelten.

Von Max Holscher

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