Sportwissenschaftler der Uni Kassel haben neues Unterrichtsmodell entwickelt

Sportwissenschaftler haben neues Unterrichtsmodell entwickelt

Mit Spaß zur sportlichen Finesse: Dr. Andreas Albert, Prof. Volker Scheid, Gerhard Blömeke-Rumpf und Tobias Heyer (von links) haben ein neues Modell für den Sportunterricht entwickelt. Mithilfe von Freizeitspielen wie Beachball, Indiaca und Speckbrett lernen die Schüler dabei spielerisch die taktischen und technischen Grundlagen von klassischen Rückschlagspielen. Foto: Schaffner

Kassel. Erst spielen, dann üben - Sportwissenschaftler der Universität Kassel haben ein neuartiges Vermittlungskonzept für Badminton, Tennis und Tischtennis im Sportunterricht entwickelt.

Anstatt gezielt einzelne Sportarten zu üben, sollen Schüler mithilfe einfacher Spielformen taktische und technische Grundlagen der sogenannten „Einkontakt-Rückschlagspiele“ lernen. Im kommenden Jahr soll das Kasseler Modell an Schulen in die Praxis umgesetzt werden.

„Vielseitigkeit vor Spezialisierung heißt unser Motto“, sagt Prof. Dr. Volker Scheid, der das Forschungsprojekt am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Uni Kassel leitet. Durch Freizeitspiele wie Beachball, Goba (wobei man mit einem auf der Hand getragenen Holzbrett nach Ballons oder Bällen schlägt) oder Speckbrett (eine Art Tennis mit Holzschläger) werden die Schüler ab dem fünften und sechsten Schuljahr spielerisch an die Rückschlagsportarten herangeführt. Dabei lernen sie Flug- und Sprungeigenschaften von verschiedenen Bällen kennen und lernen so, auf verschiedene Spielsituationen zu reagieren.

Erst wenn die Grundlagen erlernt sind, bestreiten die Schüler den Weg vom kooperierenden zum konkurrierenden Spiel. Doch auch da stehe nicht das perfekte Beherrschen der Technik im Vordergrund, sagt Dr. Andreas Albert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, „sondern das Erproben im Mit- und Gegeneinander“.

Das Kasseler Modell versteht sich als Reaktion auf die neue Lehrplangeneration. Seit 2005 ist in Lehrplänen nicht mehr von Sportarten, sondern von Bewegungsfeldern die Rede. Die Neuausrichtung des Kultusministeriums sei sinnvoll, sagt Scheid. Denn Rückschlagspiele wiesen viele Gemeinsamkeiten auf, sodass man zunächst eine allgemeine Spielfähigkeit fördern könne, die später auf die einzelnen Sportarten angewandt werde.

Seit 2009 forscht der 52-jährige Sportpädagoge mit Andreas Albert, Tobias Heyer und Gerhard Blömeke-Rumpf an dem Konzept, hat Sportlehrer und Dozenten befragt, es an einer Schule erprobt und die Ergebnisse in 180 Videoclips aufgezeichnet. Die Filme wurden analysiert und sind seit diesem Semester Bestandteil der Sportlehrerausbildung in Kassel. Ab dem Schuljahr 2012/2013 soll das Modell auch im Sportunterricht umgesetzt werden.

Bereits in den 1990er-Jahren entwickelten die Kasseler Forscher einen integrativen Unterrichtsleitfaden für Fußball, Handball und Basketball - inzwischen ist er bundesweit etabliert. Geht es nach Scheid, soll sich dieser Erfolg mit dem Konzept für Rückschlagspiele wiederholen. „Das Kasseler Modell soll nicht in Kassel bleiben“, sagt er. Im nächsten Schritt soll es in der Sportlehrerausbildung auch an den Unis in Frankfurt und Göttingen zum Einsatz kommen.

Von Sebastian Schaffner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.