Werner Ruhnau als Nekropole-Künstler im Habichtswald beigesetzt

Werner Ruhnau

Kassel. Mit Werner Ruhnau ist am Wochenende in der Künstler-Nekropole Kassel der erste Künstler öffentlich beigesetzt worden, der dort noch zu Lebzeiten sein Grabmal errichtet hat.

Auf dem Areal rund um den Blauen See oberhalb der Rasenallee im Habichtswald können Künstler von „documenta-Rang“ zu Lebzeiten ihre eigenen Grabmäler errichten und ihre Asche dort in einer Urne bestatten lassen.

Ruhnau, der am 6. März im Alter von 92 Jahren in Essen gestorben war, hatte nicht nur sein Grabmal in der Nekropole errichtet, sondern auch das Abschiedsritual für seine Beisetzung geplant und dieses seit 2004 jedes Jahr zum Geburtstag am 11. April mit Angehörigen und Gästen eingeübt.

Abschiedsritual: Elisabeth Stelkens (rechts) und ihre Tochter Andrea schreiten zur Urne in der Mitte der Grabstätte. Fotos: Konrad

Vorbild für sein Grabmal war das Theater. Vier Tore aus Eichenholzstelen symbolisieren das Eintreten in die Welt - und das Hinausgehen. In einem kleinen Amphitheater in der Mitte war die Urne platziert. Das Abschiedsritual leitete Ruhnaus Lebensgefährtin Elisabeth Stelkens: Jeweils zwei Gäste schritten, begleitet von monotonen Trompetenklängen, durch die Tore zum Amphitheater, reichten sich über der Urne die Hände und verließen das Grabmal wieder durch die beiden anderen Tore. Danach setzte Stelkens die Urne am Rande des Grabmals bei. Anschließend fassten sich die Gäste an den Händen, zogen in einem Schreittanz am Grab vorbei und nahmen Abschied.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen beschrieb Ruhnau als einen lebensfrohen Menschen. „Er hat sich eine fröhliche Feier gewünscht, die die Menschen zusammenführt“, sagte er. Dr. Michael Willhardt vom Kuratorium der Künstler-Nekropole würdigte Ruhnau als einen ungewöhnlichen Architekten, dessen Leben von Spiel, Kunst und Theater geprägt gewesen war. Mit der Grabstätte habe er eine Bühne geschaffen, deren Atmosphäre durch die Bestattung entstehe.

Ähnlich sieht das Gerold Eppler, Vorsitzender des Stiftungsrats der Künstler-Nekropole, der in der Beisetzung auch ein wichtiges Signal für die Zukunft der Nekropole sieht. Die Idee hatte in den 1980er-Jahren der Kunstprofessor Harry Kramer, der auf dem ehemaligen Basaltsteinbruch eine Genehmigung für 40 Grabstätten erwirkte. Bisher sind dort aber erst acht Grabstätten realisiert worden, die letzte 2003. Kramer selbst wurde 1997 dort anonym beigesetzt. Eppler sieht in der Nekropole eine einzigartige Verschmelzung von Kultur und Alltag. Das Sterben werde ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Das war auch die Intention Ruhnaus. Sein letzter Wunsch war, dass seine Grabstätte als Ort des Festes und des Spiels genutzt wird.

An der etwa eineinhalbstündigen Zeremonie nahmen schätzungsweise 100 Menschen teil, darunter auch die Künstler Heinrich Brummack und Timm Ulrichs, die ebenfalls in der Künstler-Nekropole ihre Grabmäler errichtet haben, sowie Anita Ruhnau, mit der Werner Ruhnau viele Jahre verheiratet war. Im Anschluss waren die Gäste zu einer Feier im Museum für Sepulkralkultur eingeladen.

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