Corona-Pandemie

Kunst-Studenten sperren Frankfurter Straße in Kassel – „Wir sind gar nicht mehr vorhanden“

So sah die Frankfurter Straße Samstagnachmittag aus: Kunststudentinnen und -studenten bemalten die beiden aus der Stadt führenden Fahrspuren zwischen Heinrich-Heine-Straße und Auestadion. Der Verkehr wurde durchs Auefeld umgeleitet.
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So sah die Frankfurter Straße Samstagnachmittag aus: Kunststudentinnen und -studenten bemalten die beiden aus der Stadt führenden Fahrspuren zwischen Heinrich-Heine-Straße und Auestadion. Der Verkehr wurde durchs Auefeld umgeleitet.

Für Kunststudierende ist die Pandemie besonders hart. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde für eine besondere Aktion die Frankfurter Straße in Kassel gesperrt.

Kassel – Anja Kellner ist durch die Pandemie quasi unsichtbar geworden. „Wir sind gar nicht mehr vorhanden“, sagt die Kunststudentin über sich und ihre Kommilitonen: „Seit drei Semestern sind wir aus der Kunsthochschule ausgesperrt.“ Darum hat Kellner am Samstagnachmittag eine ungewöhnliche Kunstaktion organisiert: Knapp vier Stunden lang ließ sie die Frankfurter Straße in Kassel stadtauswärts sperren. Zwischen Heinrich-Heine-Straße und Auestadion wurden keine Leinwände bemalt, sondern zwei Fahrspuren.

In den vergangenen Monaten hat Kellner festgestellt, dass vor allem junge Studenten unter dem fehlenden Austausch leiden. „Die Leute wollten einfach mal zusammen malen“, sagt die 38-Jährige, die Bildende Kunst studiert. Weil ihnen durch die Corona-Maßnahmen ihre Arbeitsräume genommen worden seien, hätten sie sich das erobern wollen, „was in Deutschland am wichtigsten ist: die Straße“.

Kunsthochschule Kassel: Frankfurter Straße für Malaktion gesperrt

Statt der angemeldeten 50 Teilnehmer kamen jedoch nur 10, wie eine Polizeisprecherin sagt. Der Verkehr wurde durch das Auefeld umgeleitet. Alles sei störungsfrei verlaufen. Für ihre Aktion, die Teil des Ausstellungs-Rundgangs der Kunstuni ist, hatte Kellner das Motto gewählt: Esse Est Percipi (Sein heißt wahrgenommen werden).

Bei der Wahrnehmung des Alltags an der Kunsthochschule der Universität Kassel gehen die Meinungen indes auseinander. Studienrektor Daniel Hornuff, der die Professur für Theorie und Praxis der Gestaltung innehat, glaubt zwar auch, dass Kunststudenten in der Pandemie besonders betroffen sind: „Bei uns findet ganz viel an persönlicher Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden statt. Wenn das wegfällt, trifft das viele sehr hart. Viele haben ihr Studium infrage gestellt.“

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Kunsthochschule in Kassel: Ab Herbst soll Präsenzlehre wieder möglich sein

Dennoch seien die Werkstätten offen. So konnten etwa Arbeiten besprochen werden, nur eben nicht in größeren Gruppen. „Wir haben möglich gemacht, was möglich gemacht werden konnte“, sagt Hornuff, der optimistisch ist, dass es ab Herbst wieder Präsenzlehre gibt: „Ein 300er-Hörsaal wäre dann wieder mit 150 Personen vorstellbar.“

Kellner wiederum eröffnete gestern im Stellwerk eine Hygieneausstellung, bei der die Besucher mit kurzwelliger UV-Strahlung desinfiziert werden sollen. Das klingt fast wie eine Protestaktion von „Querdenkern“. Mit denen hat Kellner aber nichts am Hut. Sie nennt die Corona-Verharmloser „Leerdenker“ und ist längst geimpft. In der Ankündigung schreibt sie mit einem Augenzwinkern: „Geben Sie Sars-Erregern keine Chance mit der Hygiene-Konzept-Art.“ Anja Kellners Hygieneausstellung ist bis Sonntag jeweils von 16 bis 20 Uhr im Stellwerk im Kulturbahnhof zu sehen. (Matthias Lohr)

Die Kunsthochschule Kassel ist seit Jahren ein Sanierungsfall - inzwischen tut sich etwas. Der Standort der Uni-Bibliothek an der Menzelstraße ist saniert worden.

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