Freiheitsstrafen für versuchte 50  000-Euro-Erpressung: 28-Jähriger bleibt in Haft - Bewährung für 57-Jährigen

Spielsucht und Geldnot als Motive

Kassel. Die beiden Männer auf der Anklagebank würdigen sich keines Blickes mehr. Gegenseitig haben sich der 57- und der 28-Jährige bezichtigt, die treibende Kraft bei dem Versuch gewesen zu sein, 50 000 Euro von einem Geschäftsmann im Kasseler Umland zu erpressen. Das Amtsgericht verurteilt sie am Montag wegen gemeinschaftlicher versuchter räuberischer Erpressung.

„Sie sind beide Mittäter - und sie konnten nicht ohne den anderen bei der Tat“, betont Richter Leyhe in der Urteilsbegründung. Dass das Strafmaß dennoch unterschiedlich ausfällt, hat mit Vorstrafen zu tun: Im Falle des 57-Jährigen ist das Bundeszentralregister leer. Er wird zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt - und diese für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Für den jüngeren Mann weist das Register eine einschlägige Jugendstrafe aus. Gegen ihn verhängt das Gericht eine Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Bewährung wird nicht gegeben. Der 28-Jährige sitzt bereits in Untersuchungshaft.

Der jüngere Mann hatte dem Gericht berichtet, zur Tatzeit habe er in großer Angst vor einer erneuten Abschiebung gelebt. Damit habe ihn der Ältere manipuliert. Er selbst habe damals gefürchtet, den Kontakt zu seinem Kind und der Familie seiner neuen Lebenspartnerin zu verlieren. Zugleich habe er um sein Leben gebangt, weil er im Kosovo zu Wucherzinsen Geld geliehen habe.

In solch einer Situation eine nicht unerhebliche Straftat „loszutreten“, findet das Gericht „nahezu unglaublich“. Es schließt nicht aus, dass der jüngere Angeklagte den älteren nach einem geeigneten Opfer fragte, um an Geld zu kommen. Dass er den Geschäftsmann anrief und drohte, er mache seine Familie „kaputt“, wenn dieser nicht zahle, hatte der junge Mann ohnehin gestanden.

Familienvater bedroht

Der 57-Jährige, für den die Verhandlung ins Italienische gedolmetscht wird, lässt am Montag eine Erklärung verlesen: „Ich gestehe, an der Tat beteiligt gewesen zu sein“, heißt es darin. „Im Nachhinein kann ich meine eigene Dummheit nicht mehr verstehen.“ Er sei spielsüchtig und in Finanznot gewesen. Der Richter hält dem 57-Jährigen den Umfang seines Tatanteils vor: Er habe entschieden, wer angerufen wird.

Und er habe nicht nur gewusst, dass man seinen Bekannten, den Geschäftsmann, am ehesten mit einer Drohung gegen dessen Familie beeindrucken könne - sondern auch wie das am glaubhaftesten wirke.

Die psychiatrische Gutachterin hatte dem 57-Jährigen zuvor volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Als Bewährungsauflage muss er - aus geringem Einkommen - 240 Euro an die Kinderkrebshilfe zahlen. Beide Angeklagten waren nach einer fingierten Geldübergabe von der Polizei festgenommen worden.

Von Katja Schmidt

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