Gravitrax veranschaulicht physikalische Gesetze

Der neue Fidget Spinner: Gravitrax-Kugelbahnen sind Spielzeug-Trend 2018

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Ein großer Spaß nicht nur für Kinder: Julius und Charlotte mit dem Starterset des Kugelbahnsystems Gravitrax.

Auch Kugelbahnen können cool sein. Das Gravitrax-System von Ravensburger ist so beliebt, dass es zwischenzeitlich ausverkauft war. Das Spielzeug macht nicht nur Spaß, sondern auch schlau.

Hätte ich früher im Physikunterricht besser aufgepasst, würde ich jetzt vielleicht Raketen bauen, die bald zum Mars fliegen, und müsste keine Rezensionen über Spielzeugartikel schreiben. Aber ich habe die Gesetze zur Impulserhaltung oder zur Zentrifugalkraft nie verstanden. Erst Gravitrax, das Trendspiel der Saison, hat mir klargemacht, was die Gleichung P1 = P2 bedeutet.

Die Kugelbahn von Ravensburger ist für die Spielzeugbranche das, was der Fidget Spinner vorigen Sommer war: Alle wollen es haben, es macht ein bisschen süchtig, aber anders als der Fingerkreisel ist Gravitrax auch noch pädagogisch wertvoll und erklärt spielerisch physikalische Gesetze. Man kann die Plastikbahnen zum Beispiel so zusammenbauen, dass die fünf Metallkugeln bergauf rollen.

Möglich macht es die Gauß-Kanone, die nach dem deutschen Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß (1777-1855) benannt wurde: Durch einen eingebauten Magneten wird eine rollende Kugel beschleunigt, die den Impuls an nachfolgende Kugeln weitergibt. Die letzte Kugel ist selbst bergauf genauso schnell wie die erste. Nach diesem Gesetz zur Impulserhaltung funktioniert auch das Kugelstoßpendel, das man früher oft auf Büroschreibtischen sah.

Gravitrax macht aber nicht nur Formeln verständlich, die einem der Physiklehrer früher nicht einmal halb so anschaulich erklärt haben (nachlesen muss man sie allerdings schon). Es macht auch jede Menge Spaß. Die Ravensburger-Erfindung verbindet die Ästhetik einer Kugelbahn mit den unbegrenzten Konstruktionsmöglichkeiten einer Modelleisenbahn und der Rasanz einer Autorennbahn. Und natürlich gibt es auch eine App für Android und Apple-Geräte, mit der man Bahnen virtuell bauen kann. 

Vorgestellt wurde Gravitrax im Januar 2017 auf der Nürnberger Spielwarenmesse. Die Komiker Bernhard Hoëcker und Wigald Boning bauten vor Kameras Schienen und Bausteine auf unterschiedlichen Ebenen zusammen, feuerten die Kugeln mit einem Katapult ab und ließen sie durch einen Looping sowie andere Konstruktionen flitzen. Hoëcker war begeistert: "Das ist total gut, denn man kann das ganz vielen Kindern schenken und dann selber damit spielen."

Ähnlich sahen das zahlreiche Eltern. Kurz vor Weihnachten war das Starterset (49,99 Euro), das ab acht Jahren empfohlen wird, fast bundesweit ausverkauft. Die Nachfrage hat nicht nur den Ravensburger-Verlag überrascht, der Verkaufszahlen geheim hält, sondern auch Experten. Verkäufer Nico Gottschling von der Kasseler Spieleburg sah Gravitrax zum ersten Mal auf der Nürnberger Spielwarenmesse. "Ganz interessant", fand er und bestellte die Produktneuheit in "normalen Mengen". Im November, als das Spiel größer beworben wurde, explodierte dann die Nachfrage, so dass schnell alles weg war. Bei Amazon bezahlten Kunden sogar 180 Euro für das Starterset, das mit sechs Paketen erweitert werden kann

Für Gottschling ist die Einfachheit der Grund für den Boom: "Gravitrax ist wesentlich weniger fummelig als etwa eine Holzkugelbahn von Fischertechnik. Und man kann seinen Kopf anstrengen." Der Händler weiß, wovon er spricht, denn er hat die Platten "selbst schon mit Freude zusammengebaut".

Mittlerweile ist das Starterset, das aus mehr als 100 Einzelteilen, einem Spielplan, Aufgabenkarten und Bauplänen für unterschiedliche Schwierigkeitsstufen besteht, wieder lieferbar. Wie lang der Hype anhält, ist ungewiss. Meine Tochter ist gerade jetzt erst im Gravitrax-Fieber. "Richtig geil" sei das Spiel. Vielleicht versteht sie das Gesetz zur Impulserhaltung besser als ich und wird eines Tages Raketen bauen. Wahrscheinlich wird sie mit Gravitrax aber auch einfach nur einen rasanten Spaß gehabt haben.

Das Gravitrax-Starterset von Ravensburger kostet 49,99 Euro. Es gibt sechs Erweiterungspakete.

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