Norbert Schmitz ist neuer Chef der Kasseler Berufsfeuerwehr - Andreas Giller neuer Stellvertreter

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Sie stehen an der Spitze der Kasseler Feuerwehr: Branddirektor Norbert Schmitz (links) und sein Stellvertreter Andreas Giller.

Kassel. „Feuerwehrleute sind ein eigener Menschenschlag“, sagt Branddirektor Norbert Schmitz, neuer Chef der Kasseler Berufsfeuerwehr. „Das ist vergleichbar mit Seeleuten“, fügt sein Stellvertreter Andreas Giller hinzu.

Sie müssen teamfähig und engagiert sein und müssen ihren Kollegen blind vertrauen können, sagt Schmitz. „Wie auf einem Schiff eben“, sagt Brandoberrat Giller. „Wir sind eine verschworene Gemeinschaft, auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen“, sagen beide.

Der 49-jährige Schmitz wird am 1. Juni offiziell zum neuen Chef der Kasseler Feuerwehr ernannt. Bevor sein Vorgänger Karl-Heinz Krütt in den Ruhestand verabschiedet wurde, war er dessen Stellvertreter. Nun wird der 51-jährige Giller sein Stellvertreter. Beide wissen voneinander fast alles. „Wenn man bei der Feuerwehr arbeitet, dann lebt man in zwei Familien. Eine ist zu Hause, die andere an der Arbeit.“ Die 222 Feuerwehrmänner und sieben -frauen, die von der Hauptwache an der Wolfhager Straße zu 9165 Einsätzen im vergangenen Jahr gerufen wurden, sind oft zusammen. Sie haben rund um die Uhr Dienst, an Weihnachten und Ostern.

Auch die Chefs, die sich mit fünf Abteilungsleitern den Direktionsdienst teilen, schieben Schichtdienst. Und bei größeren Lagen, wenn zum Beispiel mehr als fünf Fahrzeuge im Einsatz sind und Leben gerettet werden müssen, dann sind sie als Einsatzleiter mitten im Geschehen.

Raue Schale als Schutz

Schmitz und Giller lieben ihre Arbeit. „Dafür muss man aber Idealist sein. Es ist kein Beruf, um nur Geld zu verdienen“, sagt der Chef. Feuerwehrleute müssen mit allem rechnen und auch hart im Nehmen sein. Auch der Tod gehört zu ihrer Arbeit.

Wenn man bei Unfällen und Bränden mit Toten konfrontiert wird, dann geht das nicht spurlos an den Feuerwehrleuten vorbei. Viele wirkten deshalb vielleicht ein wenig grober. Aber die raue Schale sei auch eine Art, um Schreckliches zu verarbeiten, sagt Giller.

Nach dem Einsatz redeten die Kollegen über die Ereignisse des Tages. Der Unfall am Steinweg, bei dem im Dezember 2002 drei Jugendliche getötet wurden, hat bei Schmitz eine besondere Betroffenheit ausgelöst. „So etwas steckt man nicht einfach weg.“

Doch das Gros der Feuerwehrleute versucht selbst in der Freizeit nicht abzuschalten. 70 Prozent engagieren sich in Freiwilligen Wehren, viele haben auch zu Hause ein Handy oder einen Melder dabei, um alarmiert werden zu können. „Wir haben auch ein Helfersyndrom“,  sagt Schmitz. Und Feuerwehrleute müssen flexibel sein. Wenn jemand Hilfe braucht, dann ruft er die Feuerwehr: Ob ein Finger im Vogelkäfig klemmt, die Katze auf dem Dach sitzt, die Küche brennt oder ein Mensch im Gips gefangen ist (siehe Skurriles).

„Unser Beruf ist abwechslungsreich“, sagt Schmitz, der seit 1998 in Kassel arbeitet. „Dass ich damals hierhergekommen bin, war wie ein Sechser im Lotto.“

 Zur Person, Skurriles

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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