Spitzenblitzer auf Brücke

Bußgeldbilanz: 88.000 Fahrer gingen auf der Bergshäuser Brücke in die Radarfalle 

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Radaranlage auf der Bergshäuser Brücke: Im vergangenen Jahr wurden hier 88 000 Temposünder überführt.

Kassel. Rund 1,25 Millionen Anzeigen wegen Verkehrsverstößen aus Hessen gingen im vergangenen Jahr bei der Zentralen Bußgeldstelle des Regierungspräsidiums Kassel ein. Das sind 82.000 weniger als im Vorjahr. Damit flossen knapp 3,5 Millionen Euro weniger in den Landeshaushalt als 2012.

Insgesamt waren es rund 64 Millionen Euro Bußgelder. 2,3 Millionen Euro erhielten Städte und Gemeinden. Hessenweit besonders auffällig war übrigens der Radar-Kontrollpunkt an der Bergshäuser Brücke in Fuldabrück. Dort wurden fast 88.000 Fahrzeuge geblitzt. Rund 3300 Fahrer mussten daraufhin nicht nur eine satte Geldbuße zahlen, sondern auch zeitweise ihren Führerschein abgeben.

Dass die Anzeigen insgesamt zurückgegangen seien, hänge unter anderem damit zusammen, dass stationäre Geschwindigkeitskrontrollen wie am Elzer Berg auf der A 3 bei Limburg durch Baustellen ausfielen. Dort sei nur tageweise kontrolliert worden, erläuterte Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke gestern bei einer Pressekonferenz.

Am häufigsten (4173 Mal) wurden übrigens in der Stadt Wiesbaden rote Ampeln überfahren. Bei den Alkohol- und Drogendelikten, die als Ordnungswidrigkeit verfolgt wurden, liegt – Frankfurt am Main nicht mitgezählt – Kassel mit 192 Verstößen an der Spitze. 171 Verkehrsteilnehmer erhielten dabei ein Fahrverbot, 20 sogar über drei Monate.

Mit der Kontrolle und Ahndung wolle man erreichen, dass Unfälle möglichst vermieden werden, betonte Lübcke: „Es sind immer noch zu viele Verkehrstote.“ So appellierte er an die Verantwortung eines jeden Verkehrsteilnehmers.

Walter Lübcke

Auch bei den einzelnen Verfahren brauche man die Mithilfe der betroffenen Verkehrsteilnehmer. So müssten die Anhörungsbögen innerhalb von 14 Tagen ausgefüllt werden, sonst beginne ein Bußgeldverfahren. Doch es gebe immer wieder Verkehrssünder, die selbst gerichtliche Bescheide nicht ernst nähmen. „Wüste Drohungen gehören bei uns zum Tagesgeschäft“, plauderte der stellvertretende Abteilungsleiter Bernhard Steinbach aus dem Nähkästchen. Die 180 Mitarbeiter hätten eine sehr hohe Arbeitsbelastung, weiß auch Chef Lübcke. Allein im vergangenen Jahr schloss die Zentrale Bußgeldstelle 1,3 Millionen Verfahren ab.

Wenn Fehler wie bei Radarkontrollen im Landkreis passieren (wir berichteten), „müssen wir uns entschuldigen“, sagte Lübcke. Eine wichtige Verbesserung sei beispielsweise ein beim Kasseler RP entwickeltes mobiles elektronisches Erfassungssystem, das auch bei der Computermesse CeBIT in Hannover vorgestellt wurde. Es helfe, Daten sauber zu erfassen und schnell zu übermitteln. Denn immerhin gehen jährlich noch rund 400.000 handschriftliche Anzeigen ein.

Von Martina Heise-Thonicke

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