100 Radler verabredeten sich zu Flashmob

Spontane Radtour hielt Polizei in Atem

Spontanes Radeln? Etwa 100 Radfahrer nahmen an einem mobilen Flashmob durch die Kasseler Innenstadt teil. Foto: Schaffner

Kassel. Etwa 100 Radfahrer haben gestern Nachmittag mit einer Tour durch die Kasseler Innenstadt den Feierabendverkehr ins Stocken gebracht. Sie verabredeten sich zu einem sogenannten Flashmob, der am Friedrichsplatz startete.

So werden Menschenaufläufe bezeichnet, zu denen über Internet oder Handzettel aufgerufen wird. Die Teilnehmer nutzten Paragraf 27 der Straßenverkehrsordnung, wonach mehr als 15 Radfahrer als „geschlossener Verband“ nebeneinander auf der Straße fahren dürfen. Damit demonstrierten sie für eine fahrradfreundlichere Stadt und umweltbewussten Verkehr.

„Es ist schwierig in Kassel Rad zu fahren“, begründete die 53-jährige Rosi ihre Teilnahme, es sei in der Stadt teils sehr gefährlich. „Fahrradpolitik ist Umweltpolitik“, ergänzte Thorsten, 23-jähriger Student.

Überraschenderweise nahmen die meisten der zu Schrittgeschwindigkeit gezwungenen Autofahrer die Radtour zwar verdutzt, aber gelassen hin. Nur selten war ein Hupen aus der zäh fließenden Automasse zu hören, obwohl sich der Feierabendverkehr zeitweise über mehrere hundert Meter staute.

Etwa eine Stunde verlief die Fahrt ungestört und friedlich, bis Polizeibeamte mit zwei Streifenwagen die Weserstraße sperrten, um die Rädelsführer zu ermitteln. Das gelang aber nicht wirklich. Denn Flashmobs haben üblicherweise keine richtigen Organisatoren. Auch die Teilnehmer kennen sich nur selten.

Nach einer etwa zehnminütigen Diskussion auf der Schützenstraße, durch die der Verkehr erstmals vollständig zum Stehen kam, beschlossen die Beamten, die Menge fortan zu eskortieren. Allerdings folgten die Radler ihren polizeilichen Begleitern nicht einfach so. Stattdessen suchten sie sich fröhlich klingelnd ihre eigene Route. So drehte der Tross unter anderem eine Runde durch den Kreisverkehr am Platz der Deutschen Einheit.

Kurz vor dem Ziel, dem Frühlingsfest am Schlachthof, stoppte die Polizei etwa ein Dutzend Teilnehmer und notierte deren Personalien. Grund dafür seien „individuelle Ordnungswidrigkeiten“ gewesen, sagte Polizeisprecherin Sabine Knöll auf Anfrage. Das Recht der Radler im „geschlossenen Verband“ fahren zu dürfen, sei nicht eingeschränkt worden. (psn) www.hna.de/video

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