Orientierungslauf als Schulsport ist praktisch unmöglich

Kein Orientierungslauf mehr in Kasseler Karlsaue: Sportler klagen über MHK

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Schluss mit Orientierungslauf in der Aue: Im Juli 1997 berichteten wir über den Startschuss für das Postennetz, das es seit dieser Saison nicht mehr gibt. 

Mehr als zwei Jahrzehnte trainierten Orientierungsläufer in der Kasseler Karlsaue. Nun hat die Museumslandschaft das verboten. Auch andere Sportler klagen über hartes Vorgehen.

Vor mehr als zwei Jahrzehnten sah es so aus, als könnte Orientierungslauf in der Karlsaue einmal Volkssport werden. Michael Boßdorf, der damalige Leiter des Parks, gab werbewirksam den Startschuss für ein festes Postennetz. An der Rückseite der Parkbänke waren Schilder angebracht, die die Sportler anlaufen mussten. Mehr als zwei Jahrzehnte haben Athleten des OSC Kassel, vor allem aber Schüler das Angebot genutzt – bis diese Saison plötzlich Schluss war.

Im Juni 2018 beendete die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) den entsprechenden Vertrag mit dem Staatlichen Schulamt, das für das Postennetz verantwortlich war. „Für uns war das unverständlich“, sagt Elke Hausmann vom OSC.

MHK begründet: Bäume nicht verkehrssicher und Brutzeit der Vögel wird gestört

Die MHK nannte zwei Gründe, warum Orientierungslauf nicht mehr in die Aue passe. Zum einen finde der Sport vor allem neben den Wegen statt. Hier sei der „Baumbestand nicht verkehrssicher“. Die „Verantwortung für eventuelle Regressansprüche“ könne nicht übernommen werden. Zum anderen verbiete die Untere Naturschutzbehörde den Sport während der Brutzeit von Vögeln von März bis Anfang September.

Schulamt: Orientierungslauf als Schulsport damit unmöglich

Orientierungslauf als Schulsport ist in Kassel damit praktisch unmöglich geworden, klagt man beim Schulamt. Der Welterbe-Bergpark ist schon länger kein Austragungsort mehr, der Kaufunger Wald ist laut Hausmann für Anfänger zu schwierig. Zuletzt fand ein Wettbewerb im Vellmarer Ahnepark statt. Auch in zahlreichen anderen deutschen Parks ist Orientierungslauf möglich, wie ein Blick auf die Orte der Deutschen Park-Tour zeigt.

Auch internationaler Parkrun in der Aue wurde untersagt

Andere Veranstalter klagen ebenfalls über strengere Vorgaben der MHK, seitdem dort Martin Eberle wenige Monate vor der Entscheidung zum Orientierungslauf Direktor wurde, während Boßdorf, der einst den Startschuss gab, mittlerweile im Ruhestand ist. Die Organisatoren der weltweiten Parkrun-Reihe wollten ihre Veranstaltung ebenfalls in der Aue stattfinden lassen. Die MHK lehnte dies ab, weil die Läufer „für andere Besucher störend“ seien, wie eine Sprecherin sagt.

So traben nun jeden Samstag um 9 Uhr etwa 40 Teilnehmer durch das Buga-Gelände, wo die Stadt Kassel anders als die MHK in der Aue keine Einwände sah. In England, wo der wöchentliche Wettbewerb erfunden wurde, finden die Rennen dagegen in königlichen Parks statt.

Lothar Brobach, der mit dem Kurhessischen Motorsportclub seit Jahren den Herkules-Bergpreis veranstaltet, klagt: „Es wird immer schwieriger, mit der MHK zusammenzuarbeiten. Irgendwann darf keiner mehr in die Parks rein.“

Am Samstag gab es zwei Großveranstaltungen im Bergpark

Vorigen Samstag sah dies im Bergpark ganz anders aus: Da starteten fast 240 Teilnehmer beim Herkules-Berglauf. Zugleich hatte die MHK zum Dackelspaziergang mit bis zu 300 Hunden geladen.

Beim OSC Kassel ist man trotzdem frustriert. „Wenn wir nirgends mehr laufen dürfen, können wir unseren Sport bald nicht mehr ausüben“, sagt Hausmann.

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