Vor dem Eishockey-Halbfinale in der DEL 2

Kassel gegen Frankfurt – ein kulturelles Kräftemessen der hessischen Metropolen

+
Markante Skyline: die Hochhäuser des Frankfurter Zentrums.

Vor dem Eishockey-Halbfinale zwischen den Kassel Huskies und den Löwen Frankfurt veranstalten wir ein kulturelles Kräftemessen zwischen den Metropolen aus dem Norden und dem Süden Hessens.

Für so manchen Fan ist es das vorweggenommene Finale der Eishockey-Playoffs in der DEL 2: das Hessenderby zwischen den Kassel Huskies und den Löwen Frankfurt. Die Rivalen treffen allerdings bereits im Halbfinale aufeinander (die HNA überträgt alle Spiele per Liveradio und Ticker)

Die Duelle zwischen den Erzrivalen sind seit jeher etwas Besonderes. Wir nehmen das zum Anlass und werfen einen anderen Blick auf die Metropolen. Denn neben ihrem Dasein als Eishockey-Hochburgen verbindet und trennt Kassel und Frankfurt doch mehr als die Liebe zur Puckjagd.

Inhaber Simon Kimm vor der Kasseler Eissporthalle

Halle und Heimat

Unlängst erst hat sie ihren 40. Geburtstag gefeiert: die Kasseler Eissporthalle, liebevoll auch Zwinger der Kassel Huskies genannt. Am 19. Februar 1977 eröffneten die Eigentümer Edith und Simon Kimm die Halle, die bis heute in ihrem Besitz ist. Als ausverkauft gilt sie bei 6100 Zuschauern.

Vier Jahre jünger als die Heimat der Huskies ist die Spielstätte der Löwen Frankfurt, die Eissporthalle am Ratsweg, die im Ortsteil Bornheim liegt: Eröffnet wurde sie am 19. Dezember 1981. Bei Eishockeyspielen finden knapp 7000 Fans Platz, bei Konzerten knapp 9000. Sie ist im Besitz der Stadt Frankfurt.

Meister und Meriten

Dave Morrison

Mister Dave Morrison (heute 55) trug in der Saison 1996/97 die Kapitänsbinde der Kassel Huskies bei ihrem größten Erfolg: dem Gewinn der deutschen Vizemeisterschaft. Auch ein Fußball-Weltmeister kommt aus Kassel: Gala Metzner , 1954 einer der Helden von Bern. Er starb 1994 mit 71 Jahren.

Frankfurts Mister Eishockey heißt Rich Chernomaz (53). In Südhessen hat er sich 2003/04 verewigt, als er die Lions gleich in seiner ersten Saison zum Deutschen Meister machte. Aktuell Sportdirektor, ein bisschen auch Trainer: Bestimmt den Kurs der Löwen. Ach ja, einen Weltmeister haben sie natürlich auch – aber erst 20 Jahre nach dem Kasseler Metzner: Jürgen Grabowski (heute 72).

Fußball und Fantempel

Wer braucht schon einen übertriebenen Tempel, wenn es ein schmuckes Auestadion gibt. Die Heimat des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel liegt im Süden der Stadt, ist unkompliziert zu erreichen und das Allerbeste: keine Schlangen vor den Toiletten, der Würstchenbude und der Biertheke. Nur darauf kommt’s an.

Zuhause der Eintracht: die Commerzbank-Arena.

Früher trug die Heimat von Eintracht Frankfurt mal den hübschen Namen Waldstadion – heute heißt sie Commerzbank-Arena. Das sagt doch alles. Der Hinweg zu Fuß durch den Stadtwald ist mühselig. Okay, es gibt Bundesliga-Fußball zu sehen. Aber, und nur darauf kommt’s an: Die Bratwurst schmeckt wie eine labbrige Gurke.

Hering und Haushalt

In Kassel gibt es jeden Sommer den Zissel, das Volks- und Wasserfest an der Fulda. Die Ursprünge lassen sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Traditionell ist auch das Zissel-Wahrzeichen: d’r Häring.

Das älteste Volksfest in Frankfurt nennt sich Dippemess. Früher war sie ein Verkaufsmarkt für Haushaltswaren, Töpfer boten ihre Erzeugnisse an – die heißen auf frankfurterisch „Dippe“. Die Frühjahrs-Dippemess startet am 7. April auf dem Festplatz am Ratsweg vor der Eissporthalle. Auf die Huskies könnten also Parkplatzprobleme zukommen.

Wurscht und Wein

So schmeckt Nordhessen: die Ahle Wurscht.

Lecker, lecker. Bei dem Gedanken an Ahle Wurscht schnalzen alle Nordhessen mit der Zunge – okay, Veganer ausgeschlossen. Zur Wurscht ein Stück frisches Brot, ein Gürkchen und ein Bier – besser geht’s nicht.

Das Traditionsgetränk Südhessens ist der Apfelwein. Oder auch Äppelwoi oder Äppler oder Stöffche oder Ebbelwoi. Wird auch als süß und sauer gespritzt getrunken. Nun ja, den Frankfurtern scheint’s ja irgendwie zu schmecken.

Autoren und Athen

Alle fünf Jahre ist Kassel Schauplatz der weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Dieses Jahr ist es wieder so weit: die documenta 14. Die wird sooo groß und international, dass sie ausgelagert werden muss. Wohin? Athen. Liegt ja auf der Hand.

Liebhaber moderner Kunst blicken nach Kassel, Freunde des geschriebenen Wortes blicken alljährlich im Oktober nach Frankfurt zur Buchmesse. Nirgendwo zeigt sich die Branche vielfältiger und internationaler. Fast so wie bei der documenta.

Dichter und Denker

Dichterfürst aus Frankfurt: Johann Wolfgang von Goethe.

Jedes Kind liebt sie, die Geschichten von Jacob und Wilhelm Grimm. Die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder sind weltberühmt. Dass die beiden von Haus aus Sprachwissenschaftler und Volkskundler waren, gerät oft in Vergessenheit. Dabei gelten sie als Gründungsväter der Germanistik. Einen großen Teil ihres Wirkens verbrachten die Grimms in Kassel.

Zu den berühmtesten Söhnen Frankfurts überhaupt gehört Johann Wolfgang von Goethe. Es gibt wohl keinen Schüler in Deutschland, der nicht mit diesem Dichter in Berührung kam. Goethe ist einer der wichtigsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung. Seiner Geburtsstadt kehrte er im Alter von 26 Jahren endgültig den Rücken und lebte für den Rest seines Lebens in Weimar.

Mythos und Metropole

Wahrzeichen thront über Kassel: der Herkules.

Das Wahrzeichen Kassels ist, mit Verlaub, schon ein richtig alter Sack. In diesem Jahr feiert der Herkules seinen 300. Geburtstag. Trotzdem strahlt die Kupferstatue aus der griechischen Mythologie mehr denn je. Der Mann mit der Keule thront hoch oben im Bergpark Wilhelmshöhe über Nordhessens Metropole. Und wir sagen an dieser Stelle nur ein Wort: Weltkulturerbe.

Frankfurt wird nicht ohne Grund Mainhatten genannt, in Anlehnung an die Skyline im Geschäftsviertel des New Yorker Stadtteils. Auch das Frankfurter Bankenviertel mag auf den ersten Blick imponieren. Aber: Kassels Herkules ist älter als alle Hochhäuser zusammen, die Aussicht im Bergpark ist um Längen schöner und überhaupt: Hallo! Weltkulturerbe.

Wer ist Punktsieger? Und wer gewinnt das Playoff-Duell? Schreibt uns in den Kommentaren!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.