Zahlreiche Betroffene

Sporthalle Campus in Wolfsanger soll abgerissen werden

Filetstück in Kassels derzeit einzigem größeren Wohnbaugebiet: Die Sporthalle Campus (Bildmitte, hinter dem Neubau) schließt zum 31. Mai. Pläne für das 20 000-Quadratmeter-Grundstück gibt es nach Angaben der Eigentümerfirma noch nicht. Foto:  Schwarz

Kassel. Nicht nur in Wolfsanger, sondern bei Freizeitsportlern in der ganzen Stadt macht die Nachricht die Runde: Das Sportstudio Campus am Triftweg wird zum 31. Mai geschlossen und soll abgerissen werden.

Von der Eigentümerin, der Hamburger Immobilienverwaltungsfirma GSG Humbert, haben die Campus-Beschäftigten „aus dringenden betrieblichen Gründen“ die Kündigung zu diesem Termin erhalten.

Zur Begründung sagte GSG-Geschäftsführer Dr. Martin Humbert auf HNA-Anfrage, der Betrieb der Anlage lohne sich einfach nicht mehr. Es liege nicht am Kundenzuspruch, sondern vor allem an den hohen Unterhaltungs- und Betriebskosten für das inzwischen gut 30 Jahre alte Sportgelände. Humbert: „Das ist zwar schade, aber wenn man jedes Jahr 100.000 bis 200.000 Euro zubuttert, muss man sich etwas überlegen.“

Heimat für etliche Hundert Sport- und Fitnessbegeisterte: Der Eingang des Campus am Triftweg. Foto:  Schwarz

Früher, zu Zeiten des Tennis- und Squashbooms, habe GSG bundesweit eine Reihe ähnlicher Anlagen betrieben, sagte Humbert. Inzwischen sei Kassel aber der letzte solche Standort im Immobilienbestand seiner Firma. Man trenne sich nun völlig von diesem Geschäft. Mit der Schließung des Campus wolle GSG zunächst vor allem laufende Kosten vermeiden, sagte Humbert. Bisher gebe es weder Planungen noch Interessenten für das 20 000-Quadratmeter-Gelände, das direkt an Kassels derzeit einziges größeres Wohnungsneubaugebiet angrenzt. Freie Grundstücke gibt es dort keine mehr. GSG selbst hat laut Humbert keine Ambitionen, dort ein eigenes neues Bauprojekt zu starten. In Wolfsanger gilt gleichwohl als ausgemacht, dass das Gelände zügig als Bauland vermarktet werden wird.

Heiko Illian

Über die sieben Festangestellten hinaus hat die bevorstehende Schließung des Campus Auswirkungen auf etwa 35 freie Trainer und weitere Minijobber, auf 600 Mitglieder des Sportstudios, auf einen dort ansässigen Tennisverein sowie auf eine große Zahl von Freizeitsportlern, die dort sporadisch Badminton, Squash oder Hallenfußball spielen. „Wir sind in Nordhessen und Südniedersachsen derzeit die einzige Multifunktionsanlage mit so einem breiten Angebot“, sagt Centermanager Heiko Illian. Derzeit muss der 45-jährige Fitnessfachwirt und vielseitig aktive Sportler nicht nur den Verlust eines Traumjobs, wie er sagt, verdauen, sondern auch permanente Anrufe von Kunden beantworten, die wissen wollen, wie lange sie im Campus noch Sport machen können. „Viele kommen seit vielen Jahren und haben so etwas wie eine Heimat hier“, sagt Illian: Nach der Ankündigung der bevorstehenden Schließung seien „auch Tränen geflossen“.

Eine Gnadenfrist hat noch der Tennisclub Campus, ein eigener 70-Mitglieder-Verein, der die drei Hallen- und drei Außentennisplätze am Triftweg nutzt. Von der Schließungsnachricht sei der Club „schockiert“ gewesen, sagt TC-Vorsitzender Dieter Vollmer. Immerhin hätten die Eigentümer zugestanden, dass der Club bis zum September die Außenplätze weiterhin für seine Ligaspiele nutzen dürfe. „Danach“, so Vollmer, „werden wir wohl eine Spielgemeinschaft mit einem anderen Verein bilden.“

Von Axel Schwarz

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