Sprachkurse sollen kommen - Fragen und Antworten zum Thema Flüchtlinge

Deutsch als Fremdsprache: Unser Foto zeigt eine afghanische Familie bei einem Integrationskurs an der Volkshochschule Leipzig. Die Stadt Kassel will ebenfalls spezielle Sprachkurse für Flüchtlinge anbieten. Archivfoto: Grubitzsch / nh 

Kassel. Nicht nur das Regierungspräsidium Kassel betreut zahlreiche Flüchtlinge in der Region. Auch die Kommunen und Landkreise sind hier gefordert, beispielsweise die Stadt Kassel. Hierzu einige wichtige Fragen und Antworten:

Man liest derzeit oft von Erstaufnahme oder Zweitaufnahme von Flüchtlingen. Was verbirgt sich hinter den Begriffen?

Flüchtlinge, die in Deutschland einen Asylantrag stellen, werden zunächst in eine sogenannte Erstaufnahme-Einrichtung gebracht. Beispiele dafür sind Unterkünfte wie die Zeltstadt Calden oder die Landesfeuerwehrschule Kassel, die in der Region vom Regierungspräsidium Kassel betrieben werden. Dort erfolgen unter anderem Registrierung und Erstuntersuchung, in der Regel werden die Asylsuchenden dann nach drei Monaten einer Stadt oder einem Landkreis zur Betreuung zugewiesen. Die Unterbringung kann sowohl in größeren Unterkünften als auch in Wohnungen erfolgen. Dies wird häufig als Zweitaufnahme beschrieben.

Wie viele Flüchtlinge sind derzeit in Kassel untergebracht?

In drei Unterkünften befinden sich derzeit rund 1000 Flüchtlinge in den Erstaufnahme-Einrichtungen des Regierungspräsidiums. Demnächst wird es für 400 weitere Menschen im Gebäude der Bereitschaftspolizei Niederzwehren Platz als Erstaufnahme geben.

Weitere 1300 Menschen leben derzeit in Kassel in einer Zweitaufnahme-Einrichtung. Die größte sei das ehemalige Kinderkrankenhaus Park Schönfeld, wo 400 Menschen untergebracht sind. Das erklärte Stadtkämmerer und Sozialdezernent Christian Geselle (SPD) jetzt vor den Mitgliedern des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Sport. Transparenz beim Thema Flüchtlinge und Asylbewerber sei oberstes Gebot.

Und wie viele Flüchtlinge kommen wöchentlich neu in die Obhut der Stadt?

Zurzeit kommen wöchentlich etwa 70 Menschen nach Kassel, die die Stadt neu betreuen muss. „Noch haben wir ausreichend Kapazitäten, um diese Menschen unterzubringen, aber ihre Zahl steigt“, sagt Geselle. Noch könne man gewährleisten, dass niemand in Zelten oder Containern übernachten muss. Turnhallen seien für ihn tabu. Die Unterbringung von Flüchtlingen dürfe nicht zulasten von anderen geschehen, was bei einem Ausweichen in Turnhallen der Fall wäre, so Geselle.

Bekommt die Stadt Zuschüsse für die Unterbringung und Betreuung?

Zurzeit bekomme die Stadt Kassel vom Bund für die Unterbringung 652,22 Euro pro Flüchtling im Monat. Der jüngste Flüchtlingsgipfel hat ergeben, dass diese Summe künftig auf 670 Euro erhöht wird. „Wir fordern aber 1000 Euro pro Flüchtling“, sagte Geselle. Würden die aktuellen Zahlungen beibehalten, komme die Stadt Kassel bis zum Ende des Jahres auf ein Defizit von drei Millionen Euro. Auch die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge schlage finanziell zu Buche. Einem jährlichen Aufwand von 800 000 Euro stünden 60 000 Euro Erstattung gegenüber.

Wie sieht es mit der Hilfsbereitschaft von Ehrenamtlichen aus?

Ein „sehr erfreuliches Thema“ sei hingegen das große ehrenamtliche Engagement für die Flüchtlinge. Die Flut an Hilfsbereitschaft werde demnächst durch eine zentrale Koordinationsstelle gebündelt. Im Zukunftsbüro der Stadt soll eine Art Ehrenamtsmanager eingesetzt werden, teilte Geselle mit. Dafür soll in Kürze eine halbe Stelle geschaffen werden. Der zentrale Koordinator soll zusammen mit dem Kasseler Freiwilligenzentrum, der Caritas und anderen Organisationen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, die Aktivitäten aufeinander abstimmen. „Die Ehrenamtlichen müssen positiv mitgenommen werden.“

Wohin können sich Menschen mit Fragen richten?

Einen weiteren Posten will Geselle einrichten: Er soll an der Schnittstelle zwischen Erstaufnahme-Einrichtung, die sich in Verantwortung des Regierungspräsidiums befindet, und Bürgern aktiv werden. Dieser „Kümmerer“, als den ihn Geselle spontan bezeichnete, soll unter anderem die Sorgen der Menschen aufnehmen, die dann gebenenfalls an das RP weitergegeben werden. Beispielsweise könne dieser Kümmerer auf kurzem Wege auch die Weichen für eine schnelle Zusammenarbeit mit den Stadtreinigern stellen.

Plant die Stadt spezielle Angebote für Flüchtlinge, etwa im Bereich Sprache?

Ja, als eine freiwillige Leistung der Stadt kann sich Christian Geselle das Angebot von Sprachkursen noch in diesem Jahr vorstellen. Er führe diesbezüglich nicht nur Gespräche mit Wirtschaftsvertretern, die eine Bereitschaft zur Beteiligung signalisiert hätten, sondern auch mit der Arbeitsagentur. „Wir sind in einen Marathonlauf gestartet“, sagte Geselle, „da kommt es auf einen langen Atem an.“

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