49-Jähriger Kasseler wegen Attacke auf Detektiv zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt

Spray-Einsatz mit Nebenwirkung

Kassel. „Stoppt praktisch jeden Angriff“ - so wird Pfefferspray beworben: „Unerwünschte Nebenwirkungen sind nicht bekannt.“ So ähnlich liest es auch Richter Jürgen Stanoschek im Landgericht von einer Dose vor. Sie dient als Beweismittel. Und dass ein 49-Jähriger das Spray nach einem Parfüm-Diebstahl einsetzte, hat durchaus Nebenwirkungen für ihn: strafrechtliche.

Wegen besonders schweren räuberischen Diebstahls in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung wird der Angeklagte schließlich verurteilt. Widerstand gegen Polizeibeamte kommt noch hinzu. Die Kammer verhängt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren - und setzt sie zur Bewährung aus. Möglich ist das nur, weil sie einen minder schweren Fall annimmt. Andernfalls wären fünf Jahre Haft das Minimum gewesen.

Dass der 49-Jährige sich in der Verhandlung ungewöhnlich reuevoll gezeigt und dem vom Pfefferspray verletzten Kaufhaus-Detektiv im Gerichtssaal 600 Euro Schmerzensgeld gezahlt hatte, habe den Ausschlag für die Bewährung gegeben, macht Stanoschek klar. Er würdigt, dass der Angeklagte dafür an seine Notgroschen gegangen sei.

Gestohlen hatte der Kasseler eine Flasche Männerparfüm. Das gibt er unumwunden zu. Er lebe von Hartz IV. Er sei „schlecht drauf“ gewesen am fraglichen Tag im Februar 2011: „Ich wollte mir auch mal was leisten - ich wollte auch mal ‘ne schöne Frau abstauben.“

Dass der Detektiv ihn aus dem Laden verfolgte, will der 49-Jährige nicht bemerkt haben. Erst auf Höhe des Stadtbades habe plötzlich jemand sehr dicht vor ihm gestanden. „Ich dachte, der will mir ans Leder.“ Er habe so was schon mit Leuten aus der nahen Drogenszene erlebt. Deshalb habe er auch das Pfefferspray.

Erst als der nicht voll Getroffene sein Handy gezückt und ihn verfolgt habe, sei ihm gedämmert, wer das sein könne, so der Angeklagte. Kurze Zeit später sah er sich mit einer Polizeipistole konfrontiert. Wohl aus „Trotz“ habe er die Hände in den Taschen behalten und gesagt: „Erschießt mich doch!“

Einer der Polizisten ist als Zeuge geladen. Auch bei dem entschuldigt sich der 49-Jährige. Das habe er doch auf der Wache schon getan, sagt der junge Beamte. Und er findet es „menschlich“, dass jemand versucht, sich aus einem Fixiergriff zu winden - womöglich Schmerz geplagt.

Schon mit dem Wehren sei der Widerstands-Vorwurf erfüllt, befindet die Kammer. Und sie glaubt nicht, dass es dem 49-Jährigen beim Spray-Einsatz nicht um die Sicherung seiner Beute ging. Doch sie hält es für möglich, dass die Sache ein Ausrutscher war - weil der zigfach vorbestrafte Kasseler zuvor sieben Jahre nicht mit Diebstahl aufgefallen war. Und mit Räuberei noch nie.

Von Katja Schmidt

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