Insgesamt luden 239 Mitarbeiter ihre Karten unrechtmäßig auf

VW-Automatenprozess: 239 Mitarbeiter luden ihre Karten unrechtmäßig auf

Kassel. Durch die sogenannte Automaten-Affäre soll VW ein Gesamtschaden von 32.000 Euro entstanden sein. Nach Angaben von VW-Justiziar Gerhard Klenner hatten insgesamt 239 Mitarbeiter im Kasseler Werk ihre Chipkarten unrechtmäßig aufgeladen.

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Dennoch hatte das Unternehmen im Februar dieses Jahres nur zwölf Mitarbeitern fristlos gekündigt, andere waren mit einer Tagesgeldbuße oder Versetzungen in andere Abteilungen abgemahnt worden, erklärte der Justiziar aus Wolfsburg bereits im März bei den Güteverhandlungen vor dem Kasseler Arbeitsgericht.

Zuvor seien die Mitarbeiterausweise von 123 Stammwerkern ausgewertet worden, schilderte Jörg Asmuth, Personalleiter des Getriebebaus, in einem Interview gegenüber der HNA. Das seien nur Vorgänge gewesen, bei denen die Kartenbesitzer mit erheblicher krimineller Energie vorgegangen seien. Fälle, bei denen hohe Geldsummen im Minutentakt aufgeladen worden seien.

Da es aus datenschutzrechtlichen Gründen per se nicht möglich gewesen sei, die einzelnen Kartennummern den Mitarbeitern zuzuordnen, habe der Personalbereich Kassel einen entsprechenden Antrag beim Datenschutzbeauftragten der Volkswagen AG in Wolfsburg stellen müssen. „In enger Absprache mit der Konzernrevision bewilligte der Datenschutzbeauftragte die Herausgabe nur derjenigen personenbezogenen Daten, bei denen ein Straftatbestand mit hoher Sicherheit zu vermuten stand“, sagt Asmuth über das Prozedere.

Bei der Überprüfung der Daten sei es nur darum gegangen, die Unregelmäßigkeiten an den defekten Zigarettenautomaten zu betrachten. Das weitere Konsumverhalten der Mitarbeiter am Arbeitsplatz, die mit ihren Ausweisen auch Getränke und Speisen bezahlen können, sei nicht unter die Lupe genommen worden.

Mit den Entscheidungen von gestern hat die erste Instanz, das Arbeitsgericht, mit der Automaten-Affäre nichts mehr zu tun. Jetzt wird sich das Landesarbeitsgericht mit der Thematik beschäftigen müssen. Nicht nur VW will in den fünf unterlegenen Fällen in die nächste Instanz gehen. Einige Arbeitnehmer, deren Kündigung für wirksam erklärt wurde, wollen ebenfalls dagegen vorgehen. (use)

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