Über 30 Prozent bei Vhs in Kassel: Sprachen werden für Volkshochschulen immer wichtiger

Man spricht auch Suaheli

35 000 Kursteilnehmer im vergangenen Jahr: Vhs-Leiterin Katharina Seewald (links) und Jenny Giambalvo Rode, Leiterin der Sprachabteilung, wollen das Angebot weiter ausbauen. Foto: Camrath

Kassel. Fast ein Drittel des Programms der Volkshochschule Region Kassel (Vhs) besteht aus Sprachen. Das sagte die Leiterin Katharina Seewald am Donnerstag im Gespräch mit der HNA.

Der Bereich Gesundheit habe zwar aufgeholt, doch das Angebot von Sprachkursen sei nicht erst seit der Fusion vor vier Jahren kontinuierlich ausgebaut worden.

„Durch die Zusammenlegung von Landkreis und Stadt konnten wir weitere Sprachen ins Angebot nehmen“, sagte Seewald. 29 sind es aktuell in Kassel, etwa 50 bieten die Volkshochschulen in ganz Deutschland an. Man wolle auch noch wachsen. Gerade bei den „kleinen Sprachen“ im Programm wie Suaheli und Punisch kämen die Leute nicht nur aus der näheren Umgebung. „Sogar aus Göttingen sind welche dabei“, sagte Jenny Giambalvo Rode, Leiterin der Sprachabteilung.

Deutsch näherbringen

Besonders gefragt sind auch die Deutsch-als-Fremdsprache-Kurse. Die Vhs arbeitet mit der Uni Kassel zusammen und ermöglicht es den Referendaren, Übungsstunden abzuhalten. „Außerdem nehmen Mitarbeiter von SMA und Ärzte des Klinikums an unseren Kursen teil“, erklärte Giambalvo Rode. So könne man ihnen die deutsche Sprache näherbringen.

Immer wichtiger sollen in Zukunft die Zertifizierungen werden. Darum setzt man bei der Vhs auf Tests der Tochtergesellschaft telc. Diese bietet Sprachzertifikate an, die international anerkannt sein sollen. „Ob beim Auto-, Motor- oder Segelführerschein – heute lassen sich alle ihre Kenntnisse bescheinigen“, sagte Giambalvo Rode. Bei den Sprachen herrsche da noch Nachholbedarf. Das sieht Harald Kühlborn vom Landkreis Kassel, dem Träger der Vhs, ähnlich. „Es gibt heute ganz andere Bedingungen“, sagte er. „Das lebenslange Lernen muss mit Leben gefüllt werden.“ Zertifikate würden für die Job-suche und in der Ausbildung immer wichtiger.

Um potenzielle Kursteilnehmer zu erreichen, soll auch am Image der Vhs gearbeitet werden. „Viele denken bei Vhs noch an verstaubte Klassenzimmer mit Tafeln, Kreide und vielleicht an einen Kassettenrekorder“, sagte Seewald. Doch davon sei man mittlerweile weit entfernt. Seit über einem Jahre würden sogenannte Moodle-Kurse angeboten, bei denen die Teilnehmer am eigenen Computer in einem digitalen Klassenraum lernen können.

Ganz ohne Präsenztraining kommen die Veranstaltungen jedoch nicht aus. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es ohne nicht geht“, erklärte Seewald.

35 000 Menschen nehmen das Angebot der Vhs Region Kassel jedes Jahr in Anspruch. Etwa 800 Dozenten betreuen die Kursteilnehmer, von ihnen sind 180 Sprachleiter. Um oben mitschwimmen zu können, macht man sich bei der Vhs bereits jetzt Gedanken über den Kursleiter von morgen und hat auch eigene Angebote entwickelt. Als Exportschlager erwiesen sich fremdsprachige Vorträge, bei denen Muttersprachler referieren. Im Sommer 2012 soll ein Poetry Slam folgen: Neue Zielgruppen warten.

Von Jörgen Camrath

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