1,66 Euro für Super! Sprit so teuer wie nie zuvor

Kraftstoffpreise in Kassel am Montag um die Mittagszeit: Hier die Elan-Tankstelle an der Frankfurter Straße 241.

Kassel. 1,66 Euro für einen Liter Superbenzin. Da muss sogar Helmut Zufall schlucken. Als altgedienter Inhaber der Tankstelle Zufall an der Heiligenröder Straße 55 hat er schon viel erlebt.

„Aber so teuer haben wir Benzin noch niemals verkaufen müssen. Das ist Rekord.“Gleiches sagt Mandy Adler, Pächterin der Agip-Tankstelle an der Sandershäuser Straße 43. Sie musste ihren Diesel am Montagmorgen für 1,52 Euro verkaufen. „Das ist normalerweise der Spritpreis“, sagt Adler, die sich schon Sorgen um ihre Kundschaft macht.

Nicht zu verstehen ist für die Tankstellen-Pächter und Inhaber vor allem das Auf und Ab der Kraftstoffpreise innerhalb nur weniger Stunden. So musste Sebastian Szoldra, unter anderem Pächter der Shell-Tankstelle nahe dem Kasseler Kreisel, allein am Sonntag fünfmal die Preisanzeigen für sein Kraftstoffangebot ändern – mit Preissprüngen von bis zu zehn Cent.

Die Preispolitik der Konzerne treibt bisweilen skurrile Blüten. Während beispielsweise Szoldras Shell-Tankstelle gestern Mittag Superbenzin für 1,60 Euro im Angebot hatte, verkaufte die freie TC-Tankstelle nur wenige Meter weiter zur gleichen Stunde Superbenzin für 1,65 Euro – ganze fünf Cent teurer.

Grund ist der Wettbewerb, erklärt Tobias Wolny, Sprecher der Aral/BP mit Sitz in Bochum. „Natürlich geben die Konzerne die hohen Benzin- und Dieselpreise des Rotterdamer Ölmarkts an die Kunden weiter“, erklärt Wolny – im Bundesschnitt am Montag für Diesel 1,53 Euro pro Liter, für E5-Superbenzin 1,66 Euro und für E10-Superbenzin 1,63 Euro. Um aber Kunden zu locken, lieferten sich die Öl-Multis dann im Stundentakt eine Preisschlacht – „die Sprit-Preise purzeln im Laufe des Tages“, sagt Wolny. Am nächsten Tag geht dann alles von vorn los.

Das ist Wettbewerb

Dass das die Pächter und auch die Kunden verunsichert, weiß auch er, aber „Wettbewerb ist eben Wettbewerb“.

Wie es mit den Benzin- und Dieselpreisen in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht, vermag selbst Wolny nicht zu sagen. „Fakt ist, dass die geopolitische Lage in Ländern wie Iran, Libyen, Syrien, Nigeria und dem Sudan derzeit relativ unsicher ist.“ Das führe automatisch zu sehr nervösen Reaktionen auf dem globalen Ölmarkt. Die Folge: „Das Barrel Rohöl (159 Liter) ist mit aktuell 120 Dollar (92,71 Euro) weitaus höher angesetzt, als es eigentlich sein müsste.“ So erlaube die derzeitige Versorgungslage eigentlich einen Barrelpreis von nur 100 Dollar.

Zu spüren bekommen das auch die Tankstellenbetreiber. „Ist der Sprit teurer, kaufen die Kunden weniger im Tankstellen-Shop“, sagt Mandy Adler. Jede Tankstelle lebe aber vom Nebenverkauf. „Vom Benzin- und Diesel-Absatz allein kann keine Tankstelle überleben“, sagt Adler.

Von Boris Naumann

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