Yvonne Ibendahl lebt mit einer Lernbehinderung und arbeitet als Küchenhilfe bei der Firma Eurest

Sprung in die Selbstständigkeit

Am Arbeitsplatz: In der Küche ist Yvonne Ibendahl ganz in ihrem Element. Foto: Dowe

Kassel. Die meisten Chefs würden sich wohl eine Mitarbeiterin wie Yvonne Ibendahl wünschen: Wenn die 25-Jährige in der Kantinenküche bei dem Kasseler Rüstungsunternehmen Wegmann Gemüse schnippelt, muss man sie manchmal regelrecht zwingen, zwischendurch eine Pause einzulegen. Um ihren Job als Küchenhilfe bei Eurest, einem weltweiten Betreiber für Betriebsrestaurants, musste die Kasselerin härter kämpfen als manch anderer. Yvonne Ibendahl ist lernbehindert.

Doch ihr Kampfgeist und der Wille, auf eigenen Beinen zu stehen, war groß. Zwei Jahre hatte die junge Frau in einem Bildungsangebot der Kasseler Werkstatt bereits kleinere hauswirtschaftliche Aufgaben übernommen, sammelte in verschiedenen Praktika in Betriebsküchen erste Erfahrungen im Berufsleben. Schnell war klar, dass sich Yvonne Ibendahl zwischen Töpfen, Pfannen und Lebensmitteln am wohlsten fühlt. „Das macht mir Spaß“, sagt sie und lächelt verlegen.

Für ihren Betreuer Andreas Schuller von der Kasseler Werkstatt ist Yvonnes Fall eine Erfolgsgeschichte und der lebendige Beweis, dass es sich lohnt, geistig behinderte Menschen ins Berufsleben zu integrieren. „Alle Parteien haben an einem Strang gezogen“, sagt der Sozialarbeiter. „Die Firma Eurest, die Yvonne den Einstieg ermöglicht hat, die Arbeitsagentur und das Integrationsamt haben zu dem Erfolg beigetragen. Aber die größte Leistung hat Yvonne selbst erbracht.“

Das bestätigt auch Küchenleiter Detlef Anschütz, der große Stücke auf seine neue Kraft hält: „Yvonne ist bei uns richtig aufgeblüht. Sie legt viel Engagement an den Tag und nimmt ihre Aufgabe sehr ernst.“ In den vergangenen vier Jahren ist Yvonne Ibendahl schon die vierte Werkstatt-Teilnehmerin, die den Weg in die berufliche Eigenständigkeit gefunden hat. 21 Menschen mit einer geistigen Behinderung wurden bereits in eine Außenarbeitsstelle vermittelt, bei der sie weiterhin über die Kasseler Werkstatt versichert sind. „Arbeit ist gesellschaftliche Teilhabe“, weiß Andreas Schuller. „Manchmal wünsche ich mir, dass mehr Firmen behinderten Menschen eine Chance geben würden. Aber in Kassel gibt es da schon viel guten Willen.“

Selbstvertrauen

Yvonne Ibendahl hat eine gehörige Portion Selbstvertrauen gewonnen, seitdem sie bei Eurest beschäftigt ist. Sie hat sich schon das nächste Ziel gesteckt: den Mofaführerschein machen, um endlich mobil zu sein.

Von Kristin Dowe

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