Spülung der Trinkwasserleitungen: Sie halten das Rohr sauber

Kassel. Das am schärfsten kontrollierte Lebensmittel soll weiter in hoher Qualität aus dem Wasserhahn laufen. Deshalb werden in den kommenden vier Wochen im Druseltal/Neuholland sowie in den Stadtteilen Vorderer Westen und Mitte die Trinkwasserleitungen gespült.

Dabei muss die Wasserversorgung in den jeweiligen Leitungsabschnitten für vier bis sechs Stunden unterbrochen werden.

Die Rohrnetzreinigung mit einem speziellen Impuls-Spül-Verfahren wird regelmäßig vorgenommen und soll Ablagerungen in den Wasserleitungen entfernen. Dabei geht es um Kalkausfällungen, Eisen- und Manganschlämme, Verkrustungen, Sandablagerungen und die Entfernung von kleinen Steinen etwa aus dem Filterkies. Es handele sich bei den Ablagerungen um natürliche Stoffe, die im Wasser vorkommen und „hygienisch keinen Einfluss haben“, sagt Diplom-Ingenieur Tobias Krohne, Leiter Betrieb Wasser bei der Städtische Werke Netz + Service GmbH. Aber alle paar Jahre müssten die Ablagerungen mal raus aus den Rohren.

Gespült wird von Netz + Service im Auftrag von Kassel Wasser und mit Hilfe eines Fachunternehmens, dass die Impuls-Spültechnik einsetzt. Dabei wird dem Spülwasser impulsartig vierfach gefilterte, komprimierte Luft zugesetzt. Luftblasen und Wasser im Wechsel sorgen dafür, dass Ablagerungen gelöst und ausgeschwemmt werden. Nebeneffekt der patentierten Rohrputz-Technologie: „Wir brauchen bedeutend weniger Wasser zum Spülen“, sagt Ersteinsatzmeister Timo Schönewolf.

Spülungen dienen der Pflege des Trinkwasserleitungssystems und damit der nachhaltigen Sicherung der Trinkwasserqualität, erklärt Krohne.

Kassel Wasser als Eigenbetrieb der Stadt Kassel versorgt rund 220 000 Menschen in Kassel und seit 1996 auch in Vellmar mit Trinkwasser. Bis 2012 war die Städtische Werke AG der Wasserversorger, seit der Rekommunalisierung ist es Kassel Wasser. Hintergrund dieser Änderung war der Streit um die hohen Wassergebühren in Kassel. Das Wasser kostet derzeit 2,14 Euro pro Kubikmeter, der Kubikmeter Abwasser kostet 2,43 Euro.

Durch das Wasserleitungsnetz (siehe Artikel unten) laufen jeden Tag etwa 30 000 bis 42 000 Kubikmeter Wasser. Täglich verbraucht jeder Einwohner etwa 140 Liter Trinkwasser.

Hintergrund: Gespült wird ab kommenden Montag

Die Netzspülung, bei der in den einbezogenen Straßenabschnitten die Wasserversorgung für vier bis sechs Stunden unterbrochen wird, beginnt am Montag, 31. August, mit den Leitungen zwischen dem Hochbehälter Krähhahn und der Pumpstation Druseltal und somit im Bereich der Druseltalstraße im Bereich Neuholland. Ab etwa Montag, 7. September, schließen sich die Leitungen im Bereich Scheidemannplatz, Kölnische Straße und Dag-Hammarskjöld-Straße an. Insgesamt wird die Spülung der Trinkwasserleitungen etwa vier Wochen dauern. Die jeweils betroffenen Anwohner werden ein bis zwei Tage vorher durch Zettel an der Hautür informiert, wann das Wasser abgestellt wird. Die Einschränkungen sollen so gering wie möglich gehalten werden , verspricht Tobias Krohne von Netz + Service. Zum Teil werde deshalb bei der Netzspülung auch in Nachtschichten gearbeitet. Für Krankenhäuser, Altenheime oder Gewerbebetriebe, die nicht auf Wasser verzichten können, könne eine Notversorgung eingerichtet werden.

Anwohner können sich für Informationen an das Wassertelefon 0561/57 45 22 68 der Netz + Service GmbH wenden.

Hintergrund: Wassernetz ist 1358 Kilometer lang

Das gesamte Wassernetz für die Versorgung von Kassel und Vellmar hat eine Länge von 1358 Kilometern, davon sind 328 Kilometer Hausanschlussleitungen. Das Leitungsnetz verbindet die fast 100 Quellen und Brunnen in Stadt und Umland mit den insgesamt acht Wasserwerken. Von dort wird das Wasser in 19 Sammelbehälter geleitet, davon sind 16 Hochbehälter.

Das natürliche Gefälle und manchmal auch Pumpen sorgen für die Bewegung des Wassers und den richtigen Druck auf den Leitungen. Durch die Hochbehälter kann das Wasser so an alle Hasuhalte verteilt werden, dass im Regelbetrieb möglichst wenig Energie eingesetzt werden muss.

Das Wassernetz besteht fast ausschließlich aus Rohren, die frostsicher 1,20 Meter bis zwei Meter tief in der Erde liegen. Von den Behältern fließt das Wasser in ein sich verästelndes Netz. Die Leitungsdurchmesser betragen anfangs 80 Zentimeter und verringern sich bis auf acht Zentimeter an den Hausanschlüssen. Die Rohre für die Versorgung in Kassel und Vellmar sind aus Gusseisen, Kunststoff, Stahl und Faserzement. Im Wassernetz sind zur Absperrung, Entlüftung und Entnahme eine Vielzahl an Armaturen und Hydranten eingebaut. Im Netz wird an über 40 Stellen kontinuierlich der Durchfluss gemessen, um Undichtigkeiten von einzelnen Leitungen frühzeitig erkennen zu können.

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