Bauphysiker der Uni Kassel erforschen Strohballen als Dämmstoff in Hauswänden

Forschungsprojekt: Strohballen als Dämmstoff in Hauswänden

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Testen im Klimaschrank: Prof. Anton Maas (rechts) und sein Mitarbeiter Rolf Gross erforschen, unter welchen Bedingungen sich im Stroh Schimmelpilze bilden. Dafür simulieren sie im Klimaschrank für eine Hauswand typische Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten.

Kassel. Trinkhalme, Matratzen, Hüte: Stroh war vor allem früher ein beliebtes Material im Alltag. Doch auch heute erfreuen sich die trockenen Halme noch großer Beliebtheit. Da Stroh viele Vorteile gegenüber industriell gefertigten Dämmstoffen hat, wird das gepresste Getreide zunehmend wieder im Hausbau verwendet.

Unter welchen Bedingungen Strohballen in der Wand dauerhaft vor Schimmel geschützt sind, ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Bauphysiker der Uni Kassel entwickeln jetzt dafür ein neuartiges und allgemeingültiges Nachweisverfahren.

Zusammen mit der TU Braunschweig, einem Architekturbüro sowie Industriepartnern wollen die Forscher aus Kassel bis zum Sommer nächsten Jahres ein strohballengedämmtes Holzbausystem zur Marktreife bringen, das höchsten Energie- und Sicherheitsstandards entspricht. Die so errichteten Gebäude sollen bis zu 13 Meter hoch werden und bis zu 400 Quadratmeter Fläche erreichen können.

Aufgabe der Wissenschaftler um Prof. Anton Maas, Leiter des Fachgebiets Bauphysik, ist es dabei, unterschiedliche Stroharten mit verschiedenem Putz im Langzeittest auf Schimmelbefall zu untersuchen.

Nachwachsender Rohstoff

„Stroh ist ein nachwachsender Rohstoff mit hervorragenden Dämmeigenschaften“, sagt Prof. Maas. Als Abfallprodukt der Landwirtschaft sei es zudem deutlich günstiger als beispielsweise Mineralwolle und nahezu unbegrenzt verfügbar. „Das alles spricht stark für Stroh als Bau- und Dämmstoff“, sagt der 52-Jährige.

Dagegen spricht bisher vor allem, dass in die Wand eindringende Feuchtigkeit das Stroh verrotten lässt und sich Schimmelpilze ausbreiten können. Auch deshalb hat sich das gepresste Getreide, das schon im 19. Jahrhundert als Bau- und Dämmstoff im Hausbau verwendet wurde, hierzulande nicht durchgesetzt.

Im Labor und im Gemäuer

„Es würde uns überraschen, wenn wir in unseren Experimenten gar keinen Schimmel entdecken würden“, sagt Marc Klatecki. Der wissenschaftliche Mitarbeiter untersucht mit Rolf Gross getrocknetes Stroh – Gerste, Roggen und Weizen – im Klimaschrank bei unterschiedlicher Luftfeuchtigkeit und Temperatur auf die gesundheitsschädlichen Sporen.

Doch das Testen unter Laborbedingungen in Kassel reicht den Forschern nicht. Deshalb verfolgen sie auch die Veränderungen an zwei strohgedämmten Musterhäusern in Nord- und Ostdeutschland.

Der Professor und sein Team möchten aber nicht nur herausfinden, ob sich Stroh als Dämmstoff eignet oder nicht. „Taucht Schimmel auf, wollen wir auch aufzeigen, wie das verhindert werden kann“, erläutert Maas. Zum Beispiel mithilfe eines anderen Putzes. Die Kasseler Forscher sind auf dem besten Weg, den größten Feind des Baustoffs Stroh in den Griff zu kriegen.

Von Sebastian Schaffner

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