Spurensuche in der Wurst 

Verein Science Bridge erklärt gentechnische Methoden bei Fleischkontrollen

Was steckt in der Wurst? Mit einem Experiment des Vereins Science Bridge, das hier die Studentin Fides Zenk demonstriert, kann man das selbst testen. Foto: Koch

Kassel. Der Gentechnik stehen viele Menschen skeptisch gegenüber. Bei Skandalen um Gammelfleisch oder wie zuletzt Pferdefleisch in der Lasagne wird aber schnell der Ruf nach mehr Kontrollen laut. Dabei sind auch Methoden der Gentechnik im Spiel. In einem Experiment von Science Bridge können Schüler selbst überprüfen, welches Fleisch für die Wurst auf dem eigenen Pausenbrot verwendet wurde.

Dafür macht man sich zunutze, dass die genetische Information (DNA) eines Lebewesens in jeder seiner Zellen steckt. Lässt sich also Pferde-DNA in der Wurst nachweisen, ist auch Pferdefleisch verarbeitet worden. Nur ist die DNA von Säugetieren ellenlang – und Huhn, Rind, Schwein und Pferd haben auch vieles gemeinsam in ihrer genetischen Information. „Man kann sich das vorstellen wie ein unglaublich dickes Buch mit über drei Milliarden Buchstaben. Darin stehen 25 000 Sätze, die Gene, in denen einzelne Eigenschaften beschrieben sind“, erklärt Prof. Wolfgang Nellen, Leiter des Fachgebiets Genetik der Uni Kassel. „Versuchen Sie mal darin den Satz zu finden: Ich bin ein Pferd!“ Als Suchhilfe benutzen die Wissenschaftler eine Art Genkopierer. In der Fachsprache heißt das Polymerase-Kettenreaktion- oder PCR-Maschine. Zunächst wird ein winziges Stück Wurst mit einer Flüssigkeit beträufelt, die Zellen zerstört, sodass die darinliegende DNA isoliert wird. Diese vorbereitete Fleischprobe gibt man in ein kleines Plastikröhrchen und fügt dann quasi einen Kopierstarter hinzu, erklärt Nellen: „ein winziger Gen-Schnipsel, der eindeutiger die genetische Information ,Ich bin ein Pferd‘ erkennt“.

In der Maschine werden durch Erhitzen die ineinander verdrehten Stränge der im Fleisch enthaltenen DNA entflochten. Handelt es sich um Pferdefleisch, kann der hinzugefügte Gen-Schnipsel mit der Information „Pferd“ an die DNA-Stränge andocken und kopiert sie eine Milliarde Mal. Ist es Schweinefleisch, findet der Pferde-Schnipsel kein Pendant, es wird nichts kopiert.

„Doch selbst eine Milliarde Kopien der Pferde-Information könnte man nicht mit dem bloßen Auge erkennen“, erklärt Nellen. Mit einem Trick kann man sie sichtbar machen: über ein sogenanntes DNA-Sieb. Das sieht wie eine kleine Platte aus durchsichtigem Gel aus. Dieses Gel wirkt wie eine Art Gitter. Es ordnet die verschieden langen DNA-Stücke nach ihrer Größe. Der Wissenschaftler weiß, dass an einer ganz bestimmten Stelle die Pferde-DNA in diesem Gitter hängen bleiben muss. Um sie auch zu erkennen, wird die DNA dazu noch eingefärbt. Erscheint an der entscheidenden Stelle zum Beispiel ein blauer Strich, ist das der Beweis, dass Pferdefleisch in der Wurst auf dem Schulbrot steckte.

Auch die Frage nach Menschenfleisch könnte man mit dieser Methode theoretisch stellen.

Aber Vorsicht: Wenn nur eine Haarschuppe oder ein Speichelrest an der Wurstscheibe klebt, könnte der Test irrtümlich ergeben: Das ist Menschenwurst. Foto: Rudolph

Von Katja Rudolph

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