Biologe sieht erhöhtes Missbrauchs-Risiko bei Adoptionen

"Staatlich geförderte Pädophilie": Kasseler Professor wettert gegen Homo-Ehe

"Staatlich geförderte Pädophilie"": Professor Ulrich Kutschera.

Professor Ulrich Kutschera sorgt mit provokanten Äußerungen zur Homo-Ehe für Empörung. In einem Interview hat er homosexuelle Paare als „sterile Erotik-Duos ohne Reproduktionspotenzial“ bezeichnet.

Solche Ehen zu privilegieren, sei ungerecht, so der Kasseler Biologie-Professor, da deren Rente von Kindern heterosexueller Paare finanziert werde. Sollte man homosexuellen Paaren das Adoptionsrecht gewähren, sehe er „staatlich geförderte Pädophilie und Kindesmissbrauch auf uns zukommen.“

Das Interview hat Kutschera der katholischen Internetplattform „kath.net“ gegeben, nachdem der Bundestag kürzlich mit großer Mehrheit die „Ehe für alle“ beschlossen hatte. Bereits in der Vergangenheit hatte der Evolutionsbiologe mit harter Kritik an den Gender-Wissenschaften und deren „Frau-gleich-Mann-Ideologie“ für Schlagzeilen gesorgt.

Homosexuelles Paar mit Eheringen: Ein Kasseler Professor hält von solchen Vermählungen nichts und wettert gegen die "Ehe für alle". 

Kutschera beruft sich bei seinen Thesen vor allem auf die Genetik. So gebe es bei „heteronormalen“ Elternpaaren eine Art instinktives Inzuchtverbot, das verhindere, dass sie ihre Kinder sexuell begehren. Fehle dieses genetische Band bei adoptierten Kindern, komme es häufiger zu Kindesmissbrauch. Kutschera verweist auf Studien, denen zufolge das Risiko bei homosexuellen Männern um den Faktor 15 erhöht sein soll.

Protest kommt nun vom Asta, aber auch bundesweit: Ein Kommunalpolitiker aus Ludwigshafen zeigt sich in einem Schreiben an die Uni Kassel entrüstet, dass Kutschera an einer deutschen Hochschule lehren dürfe. Das Uni-Präsidium verweist auf Anfrage auf die Freiheit der Wissenschaft. Diese habe man hinzunehmen, „auch wenn Äußerungen im Widerspruch zur Position der Hochschulleitung stehen“. Kutschera bekräftigte gegenüber der HNA seine Standpunkte: „Ich habe nicht einen Satz zurückzunehmen.“

Zitate aus dem Interview mit Ulrich Kutschera

Wir dokumentieren Passagen aus dem Interview von „kath.net“:

• „Nach derzeitiger Faktenlage kommen männliche Homoerotiker mit dieser „Falschpolung“ auf die Welt und können nicht zu heteronormalen Bürgern umerzogen werden. (...) Wir müssen daher homoerotisch veranlagte Männer und Frauen, die in der Regel eine Abscheu vor dem anderen Geschlecht empfinden (Heterophobie) so akzeptieren wie sie sind und sollten sie keineswegs diskriminieren.“

• „Die wichtigste Aufgabe von Staatsführern besteht darin, die ihnen anvertraute Population aufrecht zu erhalten; daher ist die Ehe zwischen einem Mann (Spermien-Produzent) und einer Frau (Eizellen-Bereitstellerin mit Gebärfähigkeit) vom Grundgesetz unter besonderen Schutz gestellt. (...) Homo-Paare, d. h. Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Verbindungen, sind sterile, a-sexuelle Erotik-Duos ohne Reproduktions-Potenzial.“

• Kutschera äußert sich auch über Kinder lesbischer Paare, die per künstlicher Befruchtung gezeugt werden: „Das bemitleidenswerte Befruchtungs-Produkt muss dann z. B. im Kindergarten sagen: „Mein Papa ist meine zweite Mama“.

• „Betrachten wir ein Homo-Männerpaar mit Adoptivsohn im Detail. Mit 95 %iger Wahrscheinlichkeit ist der adoptierte Jüngling heteronormal veranlagt und daher mit einer erblich fixierten (instinktiven) Homophobie ausgestattet. Wie soll er dieses evolutionäre Erbe, verbunden mit einer massiven emotionalen Abscheu dessen, was er täglich mit ansehen muss, überwinden?“

Das sagt die Hochschulleitung zu Kutschera

Wir dokumentieren die Stellungnahme, die die Hochschulleitung auf Anfrage der HNA abgab:

„Professorinnen und Professoren können für ihre Äußerungen nicht nur die Meinungsfreiheit, sondern auch die Freiheit der Wissenschaft in Anspruch nehmen, die das Grundgesetz sehr weit fasst. Das hat das Präsidium auch dann hinzunehmen, wenn Äußerungen im Widerspruch zur Position der Hochschulleitung stehen.

Das Präsidium ist überzeugt, dass die Positionen, die Herr Kutschera im Interview äußert, keinen Rückhalt in der Universität haben, im Gegenteil. Die Äußerungen nimmt das Präsidium zum Anlass, erneut an die Bedeutung eines respektvollen Umgangs miteinander und an eine angemessene Wortwahl in öffentlichen Äußerungen zu erinnern. Diese Universität und die Hochschulleitung haben immer deutlich gemacht, dass sie unterschiedliche Lebensentwürfe respektieren und Diversität als Gewinn für die Universität verstehen.“

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