Rechtsanwalt schon einmal verurteilt

Staatsanwaltschaft durchsuchte Wohnung und Kanzlei von Dr. Bernd Hoppe

Jetzt selbst im Visier der Justiz: Der Kasseler Rechtsanwalt, Ex-OB-Kandidat und Chef der Fraktion der Freien Wähler im Rathaus, Dr. Bernd Hoppe. Unser Bild zeigt ihn als Verteidiger im Verwaltungsgerichtshof. Foto:Malmus

Kassel. Der Skandal um den Ex-OB-Kandidaten und Vorsitzenden der Freien Wähler in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung, Dr. Bernd Hoppe, zieht immer weitere Kreise.

Wie berichtet, ermittelt die Kasseler Staatsanwaltschaft gegen den Kasseler Rechtsanwalt wegen Untreue

Außerdem gibt es ein anwaltsgerichtliches Ermittlungsverfahren bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Zudem muss sich der 56-Jährige am 17. Mai in einem Zivilprozess vor dem Kasseler Landgericht verantworten. Es geht darum, dass Hoppe Geld von zwei Mandanten, das ihm in einer Erbstreitigkeit auf sein Konto überwiesen worden war, über Jahre einbehalten haben soll. Es soll sich um die Summe von rund 140.000 Euro handeln, die die früheren Mandanten jetzt haben wollen.

60 Tagessätze zu je 80 Euro

Nachdem wir über die Angelegenheit berichtet hatten, meldete sich jetzt eine weitere frühere Mandantin von Hoppe. Sie präsentierte uns einen Strafbefehl aus dem Jahre 2006 gegen Hoppe, erlassen vom Amtsgericht Kassel. Ein Strafbefehl ist ein Urteil, ohne dass eine Verhandlung stattgefunden hat.

Danach wurde Dr. Bernd Hoppe damals zu 60 Tagessätzen zu je 80 Euro verurteilt. Laut Strafbefehl hatte Hoppe diese Mandantin Anfang 2000 in einem Streit gegen die Landesversicherungsanstalt vertreten.

Die Frau hatte eine Rechtsschutzversicherung, die auch 1000 Euro an Hoppe als Kostenvorschuss überwies. Am Schluss des Verfahrens zahlte die Versicherung genau 875,80 Euro an Rechtsanwaltskosten an Hoppe.

Obwohl damit sein Honorar bezahlt war, stellte Hoppe seiner Mandantin trotzdem 524,90 Euro in Rechnung, die er sogar per Mahnbescheid eintreiben wollte.

Laut Strafbefehl handelte es sich dabei um ein Vergehen nach Paragraf 263 Strafgesetzbuch. Der besagt: „Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Durchsuchung im Februar

Wie die HNA außerdem erfuhr, durchsuchte die Staatsanwaltschaft am 1. Februar die Wohnräume und die Kanzleien von Hoppe in Kassel, Paderborn und anderen Städten. Damals befand sich Hoppe mitten im Wahlkampf - er wollte Kassels Oberbürgermeister werden.

Die HNA bat Dr. Hoppe per Mail erneut um eine Stellungnahme. Er reagierte nicht.

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