Moscheen werden beobachtet

Staatsschutz hat Kassels Islamisten im Fokus

Kassel. Für den hessischen Verfassungsschutz ist Kassel neben dem Rhein-Main-Gebiet der Schwerpunkt von Aktivitäten radikaler Islamisten. Diese hätten seit einigen Jahren in Nordhessen - ebenso wie im Frankfurter Raum - erhöhten Zulauf von Jugendlichen.

Dabei handele es sich um junge Muslime und Menschen, die zum Islam übergetreten sind, heißt es auf Anfrage der HNA.

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Dass der Verfassungsschutz schon seit Jahren Islamisten in Kassel beobachtet, war durch eine Aussage von Ministerpräsident Volker Bouffier vor dem NSU-Untersuchungsausschuss wieder deutlich geworden. Als Halit Yozgat 2006 in Kassel ermordet worden war, hielt sich am Tatort der Verfassungsschützer Andreas T. auf. Er führte auch Informanten, die ihm Neuigkeiten aus der islamistischen Szene verrieten. Ein Verhör dieser Informanten durch die Polizei verbot der damalige Innenminister Bouffier.

Im Mai hatte der Verfassungsschutz bereits mitgeteilt, dass man in Kassel zwei Moscheevereine beobachte. Im Visier waren die Gemeinde des Islamischen Zentrums Kassel (Erzberger Straße) und die Al-Rahman-Moschee an der Mauerstraße. Letztere war im Juni von der Polizei durchsucht worden. Beide Moscheevereine waren auch an der umstrittenen Verteilung von Koran-Exemplaren beteiligt.

Im aktuellen Verfassungsschutzbericht taucht auch die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) auf. Sie ist die mitgliederstärkste und finanzkräftigste islamistische Organisation in Deutschland. Allein in Hessen hat sie 3750 Mitglieder - 160 gehören zur Moschee an der Kasseler Jägerstraße. Milli Görüs versucht laut Verfassungsschutz, den demokratischen Willensbildungsprozess zu unterlaufen. Die Gemeinschaft versuche, gezielt Einfluss auf Politik, Rechtsprechung und Gesellschaft zu nehmen. Langfristigtes Ziel sei es, einen islamistischen Gottesstaat zu verwirklichen. (tho)

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