Politiker kämpfte vor Gericht gegen Entzug des Titels durch Uni

Staatssekretär Wolfgang Dippel bleibt Herr Doktor

+
War erleichtert über das Urteil: Staatssekretär Wolfgang Dippel (CDU) darf seinen Doktortitel behalten.

Kassel. Nun steht es fest: Staatssekretär Wolfgang Dippel darf seinen Doktortitel behalten. Die Uni Kassel hatte dem CDU-Politiker den Titel entziehen wollen. 

Die Entscheidung fiel am Dienstag vor dem Verwaltungsgericht Kassel, wo über die Klage des Politikers aus dem Kreis Kassel verhandelt wurde. Es ging um den Vorwurf, Dippel habe seine 1994 an der damaligen Gesamthochschule Kassel (GhK) verfasste Doktorarbeit in weiten Teilen abgeschrieben und so getäuscht.

Die Verhandlung ließ die wissenschaftlichen Standards der GhK in keinem guten Licht erscheinen. Denn die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass Dippels Doktorvater Prof. Dr. Eike Hennig und auch der Zweitgutachter seinerzeit von der Übernahme großer Abschnitte des theoretischen Teils aus einer anderen wissenschaftlichen Arbeit gewusst hätten. Dippel sei sogar animiert worden, diese Arbeit als Grundlage für seinen empirischen Teil der Dissertation zu verwenden. Damit habe keine Täuschung vorgelegen.

Dippel sei dies damals zugestanden worden mit dem Hinweis, dass bei einer solchen Leistung seine Doktorarbeit aber auch nur mit der Note 4 bewertet würde. Der inzwischen emeritierte Doktorvater Hennig hatte dies freimütig eingeräumt. Der Staatssekretär selbst sagte vor Gericht, er habe sicher „schludrig“ gearbeitet bei manchen Quellenangaben, aber eine Täuschung habe es nicht gegeben. Seinerzeit habe er unter Zeitdruck gestanden, weil er bereits berufliche Verpflichtungen eingegangen sei.

Die Debatte um den Doktortitel kam 2014 auf, als es einen anonymen Hinweis gab, nach dem es sich bei Dippels Doktorarbeit um ein Plagiat handele. Auf Bitten des Politikers nahm der Promotionsausschuss der Uni die alte Doktorarbeit unter die Lupe und kam zum Schluss, dass sie den wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügt. Der Entzug des Doktortitels wurde beschlossen, wogegen Dippel klagte.

In der hitzigen Debatte ließen die Richter ziemlich bald durchblicken, dass die Qualität der Arbeit für die juristische Entscheidung über den Doktortitel zweitrangig sei. Letztlich fokussierten sie sich auf die Frage, ob eine Täuschung vorlag. Weil die Gutachter von den Übernahmen gewusst hätten, sei dies nicht der Fall. Der Zweitgutachter habe die Mängel bei den Quellenangaben sogar in seiner Beurteilung erwähnt und die Arbeit dennoch akzeptiert.

Der Promotionsausschuss, der vor Gericht durch Prof. Bernd Overwien vertreten wurde, zeigte sich erstaunt von den Ausführungen der Richter: „Die Standards wurden missachtet, weil weite Teile inhaltlich und teils wörtlich übernommen wurden.“ Es sei keine eigene Denkarbeit zu erkennen. Beide Gutachter hätten sich „nicht korrekt“ verhalten.

Die Richter hingegen hoben den Ermessensspielraum der Gutachter hervor. Zudem äußerten sie Kritik daran, dass die Uni Kassel zu leichtfertig den Doktortitel entzogen und damit den Ruf des Staatssekretärs beschädigt habe.

Die Uni-Leitung will die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, bevor sie über weitere rechtliche Schritte entscheidet. Dippel zeigte sich erleichtert vom Urteil. Er habe wegen der Affäre um seinen Titel so manche Tuscheleien ertragen müssen.

Von Bastian Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.